26.11.2019 13:00 |

Tiroler Pilotprojekt

Regionalität als Antwort auf Mercosur und Co.

Eine Seilschaft von acht Institutionen vom Tourismusverband bis zur Raika kreierte ein österreichweites Pilotprojekt: Genussbotschafter*in Ötztal. Acht Lehrlinge aus dem Tourismus beendeten letzte Woche das erste Ausbildungsmodul. Botschaft: Wir setzen auf Regionalität!

Granten und Steinpilze, Forelle und Bergschaf, Brot und Käse, Äpfel und Wein – der Tisch im Ötztal ist mit regionalen Produkten reich gedeckt. Damit Touristen nicht nur Pisten und Wanderwege genießen, sondern auch die kulinarischen Schätze des Ötztales, erdachte sich Ötztal Tourismus mit sieben Partnern ein Novum: Den „Genussbotschafter“. Die Botschaft ist klar: Regionalität ist das Gebot der Stunde. „Globale Megadeals wie das Handelsabkommen mit Südamerika – Mercosur – wären für unsere Landwirtschaft ein Wahnsinn“, weiß Projektleiter Raphael Kuen, „deshalb versuchen wir, den regionalen Produkten des Ötztales in der Gastronomie noch mehr Stellenwert zu geben.“

Der Ansatz: Junge Menschen, die sich für einen Beruf in der Gastronomie, Hotellerie und im Tourismus entschieden haben, sollen „die guten Dinge des Tales“ kennen. Dazu gehört, die Produkte zu kosten und zu erfahren, wie sie weiterverarbeitet, zubereitet und angerichtet werden. Und schließlich auch zu lernen, wie sie den Gästen die Besonderheit der Produkte nahebringen können.

Auch die Jungen stehen zur Regionalität im Tal
Acht Tourismuslehrlinge aus sieben Betrieben, vorwiegend Köche, möchten zu den Pionieren zählen und starteten letzte Woche mit der Ausbildung, die drei einwöchige Module umfasst: 1: Ötztaler Fleischspezialitäten. 2: Almwirtschaft, Käse, Honig und Brot und 3:Fisch, Wild, Obst, Wein, Kultur- und Naturwissen. „Für die künftigen Köche ist es wichtig, einmal zu sehen, aus welchem Teil des Tierkörpers welche Gerichte entstehen“, zeigt sich der Längenfelder Dorfmetzger Armin Kuprian in seinem Element. Das bestätigt Kochlehrling Laurenz Auer: „Ja, genau. Ich bin dabei, weil mich einfach alles um das Thema Regionalität interessiert.“ Das löse eine positive Wertschöpfungskette aus. An den ersten beiden Nachmittagen stand das Veredeln der einzelnen Fleischpartien auf dem Programm.

Regionale Leidenschaft auf die Teller zaubern
In den letzten zwei Tagen ging es um das Entscheidende: Wie bringe ich die regionale Leidenschaft auf den Teller? Dies versuchte Küchenmeister Phillip Stohner, begehrter WIFI-Trainer, den Teilnehmern im Bergrestaurant Sonnblick in Sölden zu vermitteln. Der Meister: „Wenn die Köche und Kellner zu den regionalen Gerichten eine Geschichte erzählen können, können sie die Leidenschaft und das regionale Denken vorleben“. Im nächsten Jahr warten die zwei restlichen Module auf die ersten Genussbotschafter Österreichs. Auch die Betriebe profitieren vom Tourismusprojekt: Die dürfen dann das Gütesiegel für Regionalität namens „Ötztaler Granta“ führen. Projektleiter Kuen ist sich sicher: „Der Gast liebt regionale Küche. Nur schade, dass keine Mitarbeiter aus dem Service dabei sind. Nachmeldungen sind übrigens möglich.“

Lehrlinge im Tourismus sind allerdings selten geworden: Mit Ende Oktober suchten in den Bezirken Imst und Landeck nur sechs junge Menschen eine Lehrstelle, dem gegenüber standen 67 offene Lehrstellen.

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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