08.11.2019 12:26 |

Streit um Suchtgift?

Entführungsopfer an Zaun gebunden und misshandelt

Neue Details zur mutmaßlichen Entführung samt Bombendrohung am Donnerstag im Tiroler Unterland: Der Hauptverdächtige (24) soll das angebliche Opfer (20) im Zuge der Geiselnahme an einen Zaun gebunden und brutal misshandelt haben. Der Einheimische erlitt dabei unter anderem einen Knöchelbruch. Die Ermittlungen, die mittlerweile das Landeskriminalamt übernommen hat, gestalten sich schwierig, zumal sich die Verdächtigen nicht sonderlich kooperativ zeigen. Hintergrund der Tat soll eine „Drogengeschichte“ gewesen sein. Zwei Personen befinden sich derzeit noch in Haft. Ein weiterer Mann, der offenbar involviert war, ist flüchtig. Nach ihm wird gefahndet.

Es waren wilde Szenen, die sich Donnerstagfrüh im Tiroler Unterland abspielten. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurde der 20-Jährige in einem Wagen, in dem sich neben der 18-jährigen Lenkerin noch ein 24-Jähriger und ein weiterer Mann befanden, festgehalten und zu einer Autobahnunterführung gebracht. Dort wurde das mutmaßliche Opfer vom 24-jährigen Verdächtigen mit Kabelbindern an einen Maschendrahtzaun gebunden und mehrfach geschlagen“, heißt es vonseiten des Landeskriminalamtes.

Weiterer Mann stieg ins Auto
Anschließend wurde der 20-Jährige, der durch die Misshandlungen einen Knöchelbruch und Prellungen erlitten hatte, offenbar wieder ins Auto gezerrt. Außerdem stieg plötzlich ein weiterer Mann, ein 21-Jähriger, in den Wagen.

Gegen 6.15 Uhr meldete sich schließlich ein aufgebrachter Anrufer bei der Polizei. Er berichtete, dass er soeben Zeuge einer Entführung geworden sei. Nachdem er auch konkrete Details zum Fluchtauto hatte geben können, leitete die Polizei sofort eine Großfahndung in die Wege. Im Gemeindegebiet von Ebbs wurde das Auto dann ausgeforscht - aber noch lange nicht ausgebremst! Denn geschlagen geben wollten sich die mutmaßlichen Entführer nicht. Als die Lenkerin die Streife entdeckte, drückte sie aufs Gas und ergriff die Flucht.

Ein Insasse flüchtig
Diese endete nach wilder Verfolgungsjagd und gefährlichen Manövern letztlich in Kufstein - im Bereich einer Baustelle in der Sparchner Straße. Neben der Lenkerin saßen noch der 24-jährige Hauptverdächtige, der 21-Jährige und das mutmaßliche Opfer im Wagen. Der dritte Mann, der zunächst noch dabei war, konnte vor der Anhaltung offenbar noch aussteigen. Er ist flüchtig, nach ihm wird derzeit noch gefahndet.

Falscher Bombenalarm
Für die übrigen Verdächtigen war die Lage nun aber aussichtslos. Dennoch wurde es bei den Festnahmen richtig turbulent. „Einer der Insassen erwähnte das Wort ,Bombe’ und brachte dies in Verbindung mit dem Pkw“, erklärt Astrid Mair, stellvertretende Bezirkspolizeikommandantin von Kufstein. Die Beamten nahmen die Drohung ernst - das Gebiet wurde im Umkreis von 50 Metern abgeriegelt. Spezialkräfte rückten an und nahmen das Auto unter die Lupe. Kurze Zeit später die Entwarnung: „Es konnten keine verdächtigen Gegenstände gefunden werden.“

Die drei Verdächtigen wurden festgenommen. Bei den Einvernahmen sollen sie sich nicht sonderlich kooperativ verhalten haben. Einer der mutmaßlichen Täter war sogar so aggressiv gegenüber den Beamten (tätliche Angriffe), dass er ins Innsbrucker Polizeianhaltezentrum überstellt werden musste. Brisant: Auch das vermeintliche Opfer soll bisher wenig zur Klärung des Falls beigetragen haben. Daher sei es gar nicht sicher, dass es sich tatsächlich um eine Entführung handelte.

Steckt „Drogengeschichte“ dahinter?
Verdächtige und angebliches Opfer sollen einander kennen - sie seien alle polizeibekannt. Die Frau soll sogar mit einem der verdächtigen Männer verheiratet sein. Auch der Anrufer habe eine Verbindung zu den Beteiligten. Hintergrund des Vorfalls dürfte eine „Drogengeschichte“ gewesen sein.

Der 24-Jährige Hauptverdächtige und die 18-jährige Frau befinden sich derzeit noch in Polizeigewahrsam. Letztgenannte ist aufgrund gesundheitlicher Probleme im Krankenhaus. Sie wird dort bewacht. Der 21-Jährige wurde hingegen auf freien Fuß gesetzt. Welche Rolle dieser genau spielte, werde aber noch geprüft.

Hubert Rauth
Hubert Rauth
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