07.11.2019 08:00 |

Debatte nach Vorfall

Warum gibt es kein Alkoholverbot für Jäger?

Eine betrunkener Jäger schießt einen Kollegen nieder: Dieser Vorfall befeuert die alljährlich aufflammenden Diskussionen um Treibjagden. Sind diese nicht barbarisch? Und warum gibt es kein Alkoholverbot? Das sagt der steirische Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof dazu.

„Krone“: Jetzt sieht man sie wieder: Jäger, Treiber und Hunde, die in hoher Zahl Äcker umzingeln und keinem Wildtier auch nur die kleinste Chance lassen, zu entkommen. Sind Treibjagden noch zeitgemäß?
Franz Mayr-Melnhof: Ja. Bei gewissen Wildarten, wie dem Hasen, ist das die einzige Möglichkeit, den Bestand zu dezimieren. Und das müssen wir, wir haben zum Abschuss ja Vorgaben.

Aber gerade bei Fasanen ist doch das Argument der Bestandskontrolle nicht haltbar, oder? Wenn man weiß, dass eigens Fasane ausgesetzt werden?
Dass Fasane ausgewildert werden, hat ganz andere Beweggründe, das muss auch spätestens Ende Juli passieren. Grad beim Fasan gibt es extrem große Ausfälle in der Natur, weil sie Bodenbrüter sind und dabei zur leichten Beute für Fuchs oder Marder werden. Fasane werden also in extra geschaffenen Biotopen aufgezogen, die natürlich auch anderen Tieren und Insekten zugutekommen! Das ist also eine gute Sache im Sinne der Natur, Tier- und Landschaftserhaltung. Und sobald sie fliegen können, können die Fasane auch hinaus aus den speziell geschaffenen Biotopen, die ihrem Schutz dienen.

Und fliegen dem Jäger direkt vor die Flinte.
Nein. Nur fünf bis zehn Prozent aller, die ausgewildert werden, werden auch geschossen. Die Biotope sind einige der wenigen Möglichkeiten, dass Singvögel, Insekten und viele mehr ohne Chemie auf extra ausgewiesenen Ruheflächen ruhig leben können und der Bestand sich erholen kann.

Es sollen aber auch immer illegal Fasane ausgesetzt und den Jägern für Treibjagden vors Gewehr gesetzt werden. Was hat so etwas mit Jagdethik oder Moral zu tun?
Wenn Sie so etwas hören oder sehen oder Kenntnis davon erhalten, bitte sagen Sie mir Bescheid. Auch Ihre Leser bitte. Alles Illegale ist nicht in unserem Sinn.

Zur Bestandsdezimierung: Wie hoch ist der Druck von der Landwirtschaft?
Hoch. Wir haben auch immer wieder ernste Diskussionen mit der Kammer, wobei wir versuchen, Extremforderungen abzuschwächen. Das gelingt im guten Dialog auch meistens.

Es gibt Jäger, die sagen, sie wären sogar unzumutbar. Bei den von den Bauern geforderten Abschusszahlen müssten sie, wie einer es formuliert hat, auf jedes Reh schießen, das irgendwo hinter einem Baum hervorschaut. Ungeachtet der Familienstrukturen, ob Vater, Mutter, Kind, völlig außer Acht lassend, dass damit Verbände und Erhalt zerstört werden.
Wie gesagt, wir diskutieren. Man muss auch immer wieder deutlich machen, dass das Reh nicht immer das Feindbild sein kann.

Zurück zu den Treibjagden. Vor gut einer Woche hat ein alkoholisierter Schütze einen Kollegen mit drei Kugeln getroffen. Diese Leute sind mit tödlichen Waffen unterwegs! Müsste es nicht selbstverständlich sein, dass hier endlich eine 0,0-Promille-Grenze ausgesprochen wird?
Alkohol und Jagd vertragen sich nicht, das ist ein Ehrenkodex. Wir werden uns nie vor Schützen stellen, die alkoholisiert sind. Wir betonen das auch deutlich in den eigenen Reihen. Aber ein Verbot bringt nichts. Schauen Sie in den Straßenverkehr, wo trotz des Verbots immer wieder Fahrer alkoholisiert sind. In der Jagd sind das schwarze Schafe, die wir nicht haben wollen.

Das ist ja nicht das Einzige, was bei Treibjagden passiert. Wir erinnern uns an den Jagdhund, der aufjaulend Zuflucht bei Anrainern gesucht hatte, weil er bei der Treibjagd von seinem Besitzer über das Halsband mit Stromstößen gequält worden ist. Wo bleibt da die Ethik?
Nicht nur die Ethik - solche Halsbänder sind auch von Gesetzes wegen verboten. Auch hier gilt: Solche Leute wollen wir nicht in den eigenen Reihen. Und wenn jemandem so etwas auffällt, dann bitte melden, anzeigen, nicht wegschauen.

Im Fall des Alk-Jägers haben 58 Schützen und 25 Treiber einen Acker umzingelt, dann wurde auf einen Fasan geschossen. Verstehen Sie, dass so etwas auf viele Nicht-Jäger abstoßend wirkt und sie so etwas auf ihrem eigenen Grund nicht dulden wollen?
Ich kenne die Diskussion dazu, es ist aber unser Auftrag, die Wildbestände zu kontrollieren.

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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