23.10.2019 16:50 |

Razzia und Festnahme

Fleischskandal: „Schlachtabfälle verarbeitet“

Der von der „Krone“ aufgedeckte Fleischskandel in der Steiermark (siehe auch Video oben) schlägt hohe Wellen: Der 55-jährige Betriebsleiter eines Schlachthofs wurde nach einer Razzia wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen. Er soll Fleisch, das eigentlich bei der Tierkörperverwertung entsorgt werden hätte sollen, verarbeitet haben. Der Mann ist nicht geständig. Ermittlungen liefen bereits seit Mitte September.

Eine Anzeige, die bei der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz eingegangen war, hatte den Fall Mitte September ins Rollen gebracht. Das Landeskriminalamt nahm die Erhebungen auf - aufgrund der erdrückenden Beweislast kam es dann am Dienstag zur Festnahme des Betriebsleiters.

Schlachtabfälle verwendet
Der Verdacht lautet, dass in dem Schlachthof in Heiligenkreuz am Waasen auch Schlachtabfälle verarbeitet wurden. Eine akute Gefährdung für die Verbraucher sei äußerst unwahrscheinlich, hieß es am Mittwoch aus dem Gesundheitsressort des Landes.

Die Menge sei relativ gering, außerdem gehe es allenfalls um genussuntaugliches Fleisch. Das bedeutet, dass bestimmte gesetzliche Vorgaben nicht erfüllt wurden, aber nicht zwangsläufig, dass eine Gesundheitsgefährdung vorliegt. Trotzdem werde sicherheitshalber an einem Rückrufbescheid für die in Verdacht stehenden Waren gearbeitet.

„Machtlos gegen kriminelle Energien“
„Der Schlachthof wurde genau kontrolliert. Für den Fall, dass Einzelne kriminelle Energien entwickeln, sind auch Behörden machtlos“, so der steirische Gesundheitslandesrat Christopher Drexler. „Wie viel genussuntaugliches Fleisch verarbeitet wurde, können wir noch nicht sagen“, erklärte Hansjörg Bacher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz. „Auch der Deliktzeitraum ist noch nicht klar.“

Das bei der Razzia gefundene Schlachtgut wurde vernichtet. Es soll sich sowohl um Schweine- als auch um Rindfleisch handeln. Von unterschiedlichen Stücken wurden Proben gezogen, alles wurde genau mit Fotos dokumentiert.

Bereits 2015 im Visier
Bereits im Jahr 2015 waren in diesem Betrieb Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt worden, auf deren Basis Nachschulungen und Verwaltungsstrafen verhängt und strengere Kontrollen durchgeführt wurden. Im Gegensatz zu den damaligen Vorkommnissen gehe es nun aber um den Verdacht von Verstößen gegen das Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz.

„Kein Platz für schwarze Schafe“
Josef Mosshammer, Innungsmeister der Fleischer in der steirischen Wirtschaftskammer, verurteilte die Machenschaften aufs Schärfste: „Da ist wieder zu befürchten, dass wieder alle Betriebe über einen Kamm geschert werden.“ Landwirtschaftskammerpräsident Franz Titschenbacher forderte die restlose Aufklärung: „Es darf keinen Platz für schwarze Schafe geben!“

Politische Aufregung
Die FPÖ forderte in einer Aussendung eine „vollständige politische Aufklärung des Fleischskandals“. Die steirischen Grünen erneuerten ihre Forderung nach mehr und besseren Veterinär-Kontrollen: „Die leider regelmäßig bekannt werdenden Missstände schaden auch den vielen Landwirtinnen und Landwirten, die artgerecht und ökologisch produzieren, denn es gibt in der Steiermark auch gute Beispiele dafür, dass es anders geht“, so Spitzenkandidatin Sandra Krautwaschl.

Betrieb hat Landesauszeichnung
Pikantes Detail am Rande: Laut KPÖ hat der mutmaßliche Gammelfleisch-Betrieb offenbar eine Landesauszeichnung bekommen. „Tierquälerei und Gesundheitsgefährdung darf nicht belohnt werden“, ärgert sich Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler.

Eva Stockner
Eva Stockner
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