09.10.2019 09:00 |

Riesige Schäden

Engerling-Plage: „Wüstenstriche“ im Ausseerland

Im Ausseerland herrscht Ausnahmezustand - schuld ist eine Engerling-Plage, wie es sie in dem Ausmaß noch nie gegeben hat: 600 Hektar einst saftiger Wiesen sind schon leergefressen! Ein Albtraum auf vielen Ebenen: Die Bekämpfung kostet Unmengen, Rinderbauern geht massiv das Futter aus, das Landschaftsbild leidet.

Gerade für das landschaftlich so ansprechende Tourismusgebiet ist die Plage ein Desaster. „Die Engerlinge sorgen um Bad Aussee regelrecht für ,Wüstenstriche‘“, beschreibt Agrarlandesrat Johann Seitinger das düstere Szenario. Das angrenzende Oberösterreich ist mit 45.000 Hektar noch mehr betroffen, „deswegen müssen wir auch alles tun, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern und die Lage schnellstens in den Griff zu bekommen“.

Plage als „Folge des Klimawandels“
Die Engerlinge stammen von den Maikäfern, die sich heuer ganz besonders vermehrt haben. Seitinger: „Auch eine Folge des Klimawandels. Es fehlte teils Bodenfrost, dazu kam extreme Trockenheit im Sommer. Damit kamen mehr Maikäfergenerationen auf die Welt als sonst.“

Sie leben in der Erde und fressen die Graswurzeln, das Gras darüber stirbt ab. „Der erste Schnitt war noch in Ordnung, bei manchen gab es aber beim dringend benötigten zweiten und dritten Schnitt sogar Totalausfälle“, beschreibt Bad Aussees Bürgermeister Franz Frosch die Ausnahmesituation.

Das heißt: „Es fehlt den Bauern Futter für die Kühe. Es muss in ganz großem Stil zugekauft werden, was auch massive Kosten verursacht.“ Zukaufen - oder verkaufen, „die ersten Landwirte verkaufen bereits Kühe, weil sie das Futter für sie nicht mehr haben“. Viele seien betroffen, auch große Betriebe, „ein Spitzenbetrieb hier hat 19 Hektar - und auf 15 davon sind die Engerlinge“.

„Alles in die Schlacht werfen“
Die Bekämpfung erfolgt mikrobiologisch durch die Infizierung der Engerlinge mit einem Pilz - das kostet, mit all den dafür anfallenden Zusatzarbeiten wie Bodenbearbeitung und Neueinsaat, 1200 Euro. Pro Hektar! Seitinger: „Man muss jetzt alles in die Schlacht werfen. Die Engerlinge ziehen sich nämlich im Winter einen halben Meter unter die Erdoberfläche zurück, kommen im Frühjahr wieder nach oben. Und fressen weiter.“ Zur Bekämpfung kommen die Kosten für die Neuansaat - alles in allem eine Lawine.

65.000 Euro Soforthilfe kommen vom Land
Seitinger hat als Soforthilfe 65.000 Euro freigeschaufelt. „Das Ganze muss auch wissenschaftlich begleitet werden. Der Maikäfer vermehrt sich gigantisch, wir reden hier von der Bedrohung bäuerlicher Existenzen.“ 70 Hektar sind im Ausseerland bislang wieder schädlingsfrei.

Engerling lebt vier Jahre in der Erde
Die Nachkommen des Maikäfers schlüpfen vier bis sechs Wochen nach der Eiablage. Je größer sie werden, desto größere Wurzeln fressen sie auch. Für ihre vollständige Entwicklung bleiben die Maikäferlarven vier Jahre im Boden - und fressen.

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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