06.10.2019 11:00 |

Oliviero Toscani

Skandalkampagnen für Benetton: Werke nun in Graz

Mit seinen Skandalkampagnen für Benetton wurde Oliviero Toscani zum Starfotografen. Ab 21. Oktober zeigt er seine Werke im Grazer Atelier Jungwirth erstmals in der Steiermark. Die „Krone“ spracht mit dem Italiener.

Küssende Priester, zum Tode verurteilte Gefängnisinsassen, eine schwarze Frau, die ein weißes Baby stillt, AIDS-Kranke kurz vor dem Tod - was Oliviero Toscani zwischen 1982 und 2000 auf den Werbe-Plakaten von Benetton gezeigt hat, hat niemanden kalt gelassen.

Er wurde heftig kritisiert, angefeindet, unzählige Male verklagt: „Jeder Skandal war ein Zeichen, dass ich etwas richtig mache, dass wir wichtige Themen ansprechen“, sagt er heute.

„Das Schlimmste ist, nicht zu provozieren“
Provokation, dieses Wort, das seit den 1980ern an Toscanis Namen hängt wie eine Klette, hat er selbst immer als Ritterschlag verstanden, denn: „Das schlimmste, was man als Künstler machen kann, ist nicht zu provozieren. Provokation muss ja nicht unbedingt etwas Negatives sein, man kann auch Veränderung provozieren. Und ich glaube mit meinen Bildern habe ich viele dazu gebracht, über ihre Einstellungen nachzudenken.“

Schwieriges Verhältnis zur Werbe-Welt
Und obwohl er der Werbung seine Berühmtheit verdankt, hat er kein gutes Wort darüber zu verlieren: „Ich hasse die Werbewelt, Menschen die in dem Bereich arbeiten sind das Mittelmaß der Gesellschaft. Ich bin das Gegenteil von Werbung“, sagt er.

Dass sein Name dennoch untrennbar mit einer global agierenden Marke verbunden ist, sieht er selbst differenziert: „Jeder Künstler braucht einen Mäzen und für mich ist Luciano Benetton dieser Mensch. Er ist einer der klügsten Menschen, die ich kenne. Er hat meine Kunst nie eingeschränkt.“

Mehr als nur ein Künstler der Skandale
Und diese Kunst ist für Toscani weit mehr als nur die Arbeit mit der Kamera: „Heute kann jeder Fotografieren und das ist auch gut so. Die Fotografie ist ein demokratisches Medium geworden“, sagt er. Ergänzt aber auch: „Ich sehe mich daher auch nicht als klassischen Fotografen. Ich bin ein Autor, ein Bühnenbildner, ein Regisseur, ein Kommunikator, ein Imaginator!“

Und das Werk von Toscani umfasst heute viel mehr als nur die Skandalfotos für Benetton: In schlichten Schwarz-Weiß-Bildern etwa hat er zu Beginn seiner Karriere - im Umfeld von Andy Warhols Factory im New York der 1970er - Promis wie Mick Jagger porträtiert.

80.000 Menschen porträtiert
Und seit mittlerweile zehn Jahren ist die Serie „razza umana“ eines seiner Herzensprojekte: „Ich versuche das Gesicht der Menschheit einzufangen“, sagt er dazu. 80.000 Menschen auf der ganzen Welt haben er und sein Team dafür schon porträtiert - Teile der Serie werden begleitend zur Ausstellung im Atelier Jungwirth im öffentlichen Raum zu sehen sein. „Und wenn Zeit bleibt, werden auch einige Steirer in die Sammlung aufgenommen“, so Toscani.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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