21.08.2019 18:04 |

Prozess in Leoben

Landwirtin angezündet: „Feuerball kam auf mich zu“

Ein 55-jähriger Mann hat sich am Mittwoch im Landesgericht Leoben wegen zweifachen versuchten Mordes sowie versuchter Brandstiftung verantworten müssen. Der Angeklagte soll seine beiden ehemaligen Arbeitgeber absichtlich mit Benzin besprüht und angezündet haben. Er stritt am ersten Prozesstag eine Tötungsabsicht ab und sprach von einem Versehen. Das Urteil ist für Donnerstag geplant.

Der Rumäne hatte seit 1993 immer wieder „schwarz“ in Österreich gearbeitet - häufig für das Ehepaar aus Obdach, das eine Landwirtschaft besitzt. 2018 zerstritt sich der Mann aber mit seinen Arbeitgebern. Staatsanwältin Katharina Tauschmann beschrieb die Tat: „Er hatte sich am 10. März zum Haus der Familie begeben und eine 1,5-Liter-Plastikflasche mit Benzin und ein Feuerzeug dabei. In den Schraubverschluss der Flasche hatte er Löcher gemacht“, so die Anklägerin.

Nachbarn warnten die Landwirte
Aufmerksame Nachbarn warnten die Landwirte, denn sie wussten, dass der Mann schon zuvor Probleme gemacht und seinen ehemaligen Arbeitgebern gedroht hatte. Für die Staatsanwaltschaft ist der Rumäne „kein unbeschriebenes Blatt“: Er wurde schon drei Mal wegen gefährlicher Drohung verurteilt. Einmal hatte er auch schon den späteren Brandopfern gedroht. Er hatte 2018 eine Flasche mit Benzin in ihr Haus geworfen. Damals war aber kein Feuer im Spiel, weshalb es als Drohung gewertet wurde.

Der Verteidiger sah die Sachlage anders: Sein Mandant habe eine Persönlichkeitsstörung und wollte nur „Druck auf das Ehepaar ausüben“ - so wie im Jahr davor. Der Beschuldigte fühlte sich nicht schuldig. Er habe 20 Jahre für das Ehepaar gearbeitet. Sie hätten ihm versprochen, dass sie ihn privat versichern, was aber offenbar nicht geschehen ist.

„Ich wollte ihnen Angst machen“
Richterin Sabine Anzenberger fragte ihn, warum er im März eine Flasche mit Benzin mit hatte. „Ich wollte ihnen Angst machen“, beteuerte er. „Ich habe sie nicht attackiert, ich habe mich gewehrt. Sie schrien mir zu: ‘verschwind!‘“ Das Ehepaar hätte ihm mit Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, weshalb er kaum etwas gesehen habe. „Ich lief zur Flasche und habe damit gesprüht, aber ich weiß nicht wohin“, so der 55-Jährige.

Nur ein Versehen?
Die Landwirtin will er nicht absichtlich angezündet haben: „Ich muss gestolpert sein und so ging das Feuerzeug an. Ich habe mich auch selbst verbrannt.“ Das Feuerzeug habe er „nur herzeigen“ wollen. Bei der Polizei, der Tatrekonstruktion, vor dem Gutachter und vor dem Haftrichter hatte der Rumäne allerdings stets andere Versionen vom Tathergang parat gehabt.

Die Landwirtin hatte schwere Verletzungen erlitten und schilderte den Hergang anders als der Angeklagte: „Nach den Vorfällen im Vorjahr haben mein Mann und ich uns eine Gaspistole und zwei Pfeffersprays besorgt, aber die Polizei sagte, dass wir ihm nichts tun dürfen.“ Dann begann die Obersteirerin zu weinen und versuchte mit gebrochener Stimme den Ablauf darzustellen: „Mein Mann und ich waren allein zu Hause, als Nachbarn anriefen und sagten, dass der Jonny kommt. Ich wurde so nervös, ich konnte nicht den Notruf am Handy wählen.“

Mit Benzin besprüht
Die Frau sei dann mit dem Pfefferspray in der Hand Richtung Haustür: „Da hörten wir schon, wie er die Scheiben einschlug“, schluchzte sie. Als sie die Tür öffnete, habe der Beschuldigte sie mit Benzin besprüht und sie angezündet. Der Landwirt schilderte zum Teil unter Tränen, dass er die Pistole nicht laden konnte und seine Frau schreien hörte: „Ich brenn‘, ich brenn.“

Er habe nur noch rote Flammen gesehen und dann sprühte der Rumäne der Frau noch einmal gezielt Benzin entgegen. „Wenn ich den Pfefferspray nicht gehabt hätte, wären meine Frau und ich jetzt unter Umständen tot“, zeigte sich der Landwirt mit beschlagener Stimme überzeugt. Er selbst hatte bei dem Angriff Verletzungen an der Hand davongetragen.

Urteil für Donnerstag erwartet
Nach der Befragung des zweiten Opfers holte sich der Verteidiger seinen Mandanten zur Seite und versuchte offenbar, ihn zu einem Geständnis zu überreden, um ein milderes Urteil zu bekommen. Der Beschuldigte jedoch blieb bei seiner Verantwortung. Der Prozess wird voraussichtlich am Donnerstag mit der Erörterung der drei Gutachten - Medizin, Brandentwicklung und Psychiatrie - fortgesetzt.

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