27.07.2019 14:58 |

Straßentheater:

Flippiger Auftakt für Grazer Festival La Strada

Mit der flippigen Premiere der kandischen Truppe Flip Fabrique wurde La Strada, das steirische Festival für Straßen- und Figurentheater, am Freitagabend in der Grazer Oper eröffnet. Bis 3. August steht nun ein bunter Reigen an Produktionen auf dem Programm - ab Dienstag dann auch in Leibnitz, Weiz, Stainz und Köflach. 

Ach, was muss das für ein Sommer gewesen sein, den die sechs Freunde der Flip Fabrique da einst verbracht haben. Jahre später treffen sie sich wieder und sofort beginnen die Erinnerungen an damals als akrobatischer Bewegungsschwall aus ihnen herauszusprudeln: Zur Begrüßung fallen sie sich in „Attrape-moi“ (Fang mich) nicht nur in die Arme, sondern stürzen sich regelrecht ineinander. Zum Klang der alten Musikkassetten lassen sie im Anschluss die Tricks von damals noch einmal aufleben. Diabolos zischen durch die Luft, Hula-Hoops werden in spektakulärer Finesse um Körper gewirbelt und nicht nur Kugeln und Kegel werden jongliert, sondern auch Sitzbälle und ganz Körper - wenn zum Grande Finale dann das große Trampolin aufgefahren wird.

Wirklich ernst nimmt sich diese Produktion erfrischenderweise nur selten, etwa wenn die Entdeckung eines Fotoalbums Sentimentalitäten am fliegenden Band auslöst. Sonst sitzt den sechs großartigen Darstellern aber stets der Schalk im Nacken und sie spielen mit vielen clownesken Elementen Fangen mit den Erinnerungen. Das Resultat ist eine flotte, flippige Show, die zwar nur bedingt so etwas wie eine Geschichte ergibt, die aber trotzdem so beeindruckend und vor allem charmant ist, dass man sich gerne von ihr einfangen lässt - zu sehen noch bis 1. August.

Außerirdische Klangsphären
Eine ganz andere, aber nicht weniger beeindruckende Vorstellung bieten Cie Oposito & Décor Sonore in der Grazer Innenstadt mit „Le Cinématophone“. Wie von einem anderen Planeten wirkt die „Kapelle aus acht Musikern und einer Diva“ in ihren schwarz-weißen Uniformen, aufgepeppt durch Applikationen aus Filmstreifen, weiß geschminkten Gesichtern und rot-umrandeten Augen. Am meisten stechen aber die gigantischen, grauen Lautsprecher hervor, die alle auf den Schultern tragen.

Aus ihnen kommen einzelne Töne, wie Tierlaute, Kuhglocken, Walzerklänge, Flugzeug- und Telefongeräusche und so entsteht nach und nach ein rhythmischer, mitreißender Klangteppich. Dirigiert wird dieser von der Diva, die sich in ihrem weißen Kleid vom Rest hervorhebt. Wenn sie nicht selbst mittanzt, steuert sie auch die abgehackten, roboterähnlichen Bewegungen des Ensembles, die perfekt synchron zur Musik sind. Ganz ohne Worte interagiert die Gruppe mit dem Publikum und verleitet es nach jedem Stück zu einem kleinen Ortswechsel. Eine bizarre Reise, bei der man fast glauben könnte, sie endet auf einem anderen Stern - noch bis 30. Juli.

So fröhlich macht die Sterblichkeit
Was hinterlasse ich, wenn ich eines Tages tot sein werde? „Wer sich diese Frage stellt, kann gar nicht anders, als sich auch zu fragen: Was macht mein Leben eigentlich schön und lebenswert?“, sagt Matteo Lanfranchi vom italienischen Künstlerkollektiv Effetto Larsen. Genau diese „positive Auseinandersetzung mit dem Tod“ wollen er und sein Team bei den Besuchern ihrer Installation „After/Dopo“, die ab heute in der Tennenmälzerei gezeigt wird, auch auslösen.

Jeder Besucher erhält einen Pass mit Aufgaben und hinterlässt im Laufe des Aufenthalts Spuren im Raum. „So entsteht eine Installation, die sich unentwegt verändert - wie das Leben“, erzählt Lanfranchi. In Italien wurde die Co-Produktion mit La Strada vor zwei Wochen erstmals gezeigt: „Obwohl es um Sterblichkeit geht, haben die Menschen die Installation mit einem Lächeln im Gesicht verlassen“, so Lanfranchi.

Pläne für ein Creation Center
Projekte wie diese soll es in der Tennenmälzerei künftig öfter geben, wenn es nach La-Strada-Intendant Werner Schrempf geht: „Wir haben ja schon länger Pläne, dort ein Creation Center mit Arbeitsstudios und Proberäumen für unsere Künstler, aber auch Freischaffende zu errichten.“ Eingebettet soll dieses in ein Stadtteil-Zentrum sein, das auch der Bevölkerung vor Ort zur Verfügung steht. Mit den Eigentümern der Liegenschaft stehe man in gutem Einvernehmen, für eine konkrete Weiterentwicklung brauche es eine fixe Zusage der Stadt.

Alle Infos zum heurigen Festival finden Sie hier

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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