6.00 Uhr: Thalerhof: Wer so früh wegfliegt, muss um 4 Uhr aus den Federn - und so ist's eine müde Truppe, die da auf den AUA-Flieger nach Wien wartet. Denn direkt nach Brüssel, das gibt's ab Graz nicht - Randlage halt. 6.35 Uhr: Landung in Wien: Hetzerei, wär' aber nicht notwendig gewesen, der Flieger Richtung Brüssel hatte ohnehin Verspätung. 9.30 Uhr: Landung Brüssel - und sofort geht es ab ins Steiermark-Haus. 15 Jahre gibt's die kleinen, feinen Repräsentationsbüros in der Avenue de Tervuran. Erich Kortzinek, der weiß-grüne Hausherr, erzählt den Steirern, wie gut die Steirer sind.
13 Uhr: Mittagessen mit dem Kabinettchef des neuen EU-Agrarkommissars Dacian Ciolos, Georg Häusler - mit am Tisch: Bauernbund-Präses Fritz Grillitsch. Worum wird's gehen? Geld für die steirische Landwirtschaft. 15 Uhr: Joseph Daul, Franzose, seit 2007 Fraktionschef der Europäischen Volkspartei, wartet. Plausch unter Parteifreunden quasi, danach Pressetermin. Daul ist ein atypischer Europäer - erfrischend direkt. Dass etwa die Griechen im Schnitt mit 50 in Rente gehen, sei ein Skandal. Einheitliches EU-Pensions- und Arbeitszeitgesetz müssten kommen und auch die ausufernde Bürokratie sei nicht länger finanzierbar.
16.45 Uhr: EU-Botschafter Hans Dietmar Schweisgut hat Zeit. Der Tiroler gilt als "Macher" am Brüsseler Parkett. Wer ihn im Boot hat, kommt schneller weiter. Dann ins Hotel, Anzugwechsel, fünf Minuten durchschnaufen. 18 Uhr: Im Europa-Parlament der nächste Termin: Steiermark-Empfang mit Image-Film, Schmankerln und Wein von Erwin Sabathi. Hella Ranner, Grazer Advokatin und Mitglied des EU-Parlaments, hat ganze Arbeit geleistet. Es kann sich sehen lassen, wer da alles zur Labung und zum Lobbyieren gekommen ist: vom Tiroler Ex-Landeshauptmann Herwig van Staa bis zu Regionalkommissar Gio Hahn.
6.30 Uhr, nächster Tag: Zumindest eine Stunde bleibt dem Delegationschef für Privates: Im Sportgewand mit Walkingstöcken -so sieht man Schützenhöfer nur ganz selten. 8 Uhr: Frühstück, Besprechung mit den Mitarbeitern. 10 Uhr: Fraktionssitzung zum "Ausschuss der Regionen", die knapp drei Stunden dauert.
13 Uhr: Mittagessen, gleich neben dem Europaparlament. Denn gleich tagt offiziell der Ausschuss der Regionen. Dort geht es um das große Geld. Eine Persönlichkeit aus dem Sport ist Stargast, Weltfußballer und UEFA-Chef Michel Platini. 16 Uhr: Aber das Geld ist Hauptthema in Brüssel - und der Herr des Geldsacks ist ein Österreicher. Johannes Hahn, unser EU-Regionalkommissar, herrscht immerhin über 700 Milliarden Euro.
Resümee über 40 Brüssel-Stunden: Es ist Bohren von dicken Brettern. In der EU geht's halt kompliziert ab. Man muss viele Schliche kennen, damit für ein kleines Land etwas abfällt. Es wäre vermessen zu behaupten, der Herr Schützenhöfer hätte die kleine steirische Welt jetzt entscheidend nach vorne gebracht. Aber ein kleines Stückerl schon. Johannes Hahn verspricht, die Regionalförderung werde in keinem Fall - wie angekündigt - um 30 Prozent gekürzt.
von Gerhard Felbinger und Christian Jauschowetz, "Steirerkrone"
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