16.06.2019 12:30 |

„Geschoben, betrogen“?

Dubiose Vorgänge bei Vergabe von Klinik-Top-Posten

Im Sommer 2017 wurde der Posten für einen neuen Direktor der Inneren Medizin III - Kardiologie und Angiologie - an der Medizinischen Universität Innsbruck ausgeschrieben. Am 1. Juli tritt der Auserwählte seinen Dienst an. Für Wirbel sorgt das Berufungsverfahren - und die Kritik klingt nach wie vor nicht ab ...

„Die Causa ist schon bedenklich“, steht in vielen Schreiben von Ärzten, Pflegekräften und Studenten - sie liegen der „Krone“ vor. Doch was sorgt für ein derartiges Kopfschütteln? Fangen wir von vorne an.

Für die Kardiologie der Med-Uni Innsbruck wurde ein neuer Leiter gesucht, es gab knapp 20 Bewerbungen - darunter auch jene eines hausinternen Arztes „mit den besten Qualifikationen“, wie es heißt. Dennoch wurde der interne Kandidat nicht von der Berufungskommission in den Dreiervorschlag aufgenommen.

Gegenüberstellung der Publikationen
„Der hausinterne Mediziner kann 198 Publikationen aufweisen, bei 78 davon scheint er als Erstautor auf. Der ursprünglich Erstgereihte des Dreiervorschlags tritt hingegen bei 98 Publikationen in Erscheinung, lediglich bei acht davon als Erstautor“, heißt es weiter. Nicht nur das Klinikpersonal hat darauf aufmerksam gemacht, sondern auch Patienten. Zudem orten Seilbahner und Unternehmer Hans Rubatscher, Rechtsanwalt Arno Weber und der Nationalratsabgeordnete Gerald Hauser (FPÖ) einen Missstand.

Schlussendlich hat der ursprünglich Zweitplatzierte des Dreiervorschlages die Führungsposition erhalten.

Doch was sind die genauen Vorwürfe? „Dass fachliche Gesichtspunkte beim Berufungsverfahren ebenso nicht berücksichtigt wurden wie Forschungserfolge, wissenschaftliche Leistungen und die Anzahl der facheinschlägigen Publikationen“, verdeutlichten Hauser, Weber und Rubatscher.

„Es wurde gegen die Vorschriften verstoßen“
Doch dem noch nicht genug: „Die Entscheidungsträger hatten zur Evaluierung unvollständiges Material vorliegen. Sie haben somit gegen die Vorschriften verstoßen“, verdeutlichen Weber, Rubatscher und Hauser. Interessant ist, dass der hausinterne Bewerber bereits vor Jahren an der Medizinischen Universität Graz im Besetzungsvorschlag an erster Stelle lag. Die Position lehnte er aus privaten Gründen aber ab.

Offiziell wurde dem Arzt mangelnde Sozialkompetenz attestiert. „Doch das ist nicht korrekt. Der Kandidat hat etwa 13 Mitarbeiter an die Uniklinik Innsbruck gebracht, was einzigartig ist“, sagen Rubatscher, Weber und Hauser. Von einer „Lebenswerk-zerstörenden Intrige“ ist sogar die Rede.

Auch Vertreter der führenden Kardiologieszene in Österreich haben sich zu Wort gemeldet und sich teils fassungslos gezeigt: „Der interne Bewerber kann eine hohe Rate an echter, authentischer Eigenforschung vorweisen. Er hat sehr viel aufgebaut und ist bekannt für seine Aufrichtigkeit.“

„Hier wird geschoben und vor allem betrogen“
„Es kann nicht sein, dass nicht die besten Personen für die besten Stellen nominiert werden. Sondern dass bewusst fachlich schwächere Mediziner ausgewählt werden, damit weiterhin gewaltet und geschaltet werden kann, wie man will“, sagen Weber, Rubatscher und Hauser. In Innsbruck werde geschoben und betrogen. „Und wer zahlt drauf? Die Bevölkerung - und das, weil ja auch im Fall der Kardiologie die Führungsposition mit Steuergeldern finanziert wird. Die Versorgung und der Ruf der Medizinischen Universität leiden darunter“, schließen sie ab.

Was der Rektor der Med-Uni Innsbruck zu den Vorwürfen sagt, lesen Sie hier.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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