09.05.2019 14:13 |

Aufgabe im Unterricht

Lehrer stellt Verbindung von Terror zur FPÖ her

Leserbrief-Schreiben im Deutschunterricht an einer Kapfenberger Schule in der Steiermark. Thema vor Ostern: Das Attentat von Christchurch und die österreichischen Rechten. Die Art, wie ein Lehrer das neuseeländische Massaker in Verbindung mit der FPÖ bringt, empört jetzt nicht nur den blauen Vizebürgermeister Reinhard Richter.

Politische Bildung? Förderung von Medienbewusstsein? Sensibilisierung gegen Rechtsextremismus? Ja, unbedingt! Aber so nicht. In Kapfenberg muss sich ein Lehrer dafür verantworten, seinen politischen Bildungsauftrag für polemische Stimmungsmache gegen eine demokratische Partei missbraucht zu haben.

Das der „Steirerkrone“ zugespielte Faksimile, dessen Echtheit von der betreffenden Schule bestätigt wurde, sagt eigentlich alles: Wörtlich wird eine Schülerin darin aufgefordert, das Attentat von Christchurch am 15. März mit den rechtsextremen „Identitären“ und Letztere mit der FPÖ in Verbindung zu bringen.

„Suggiert, dass FPÖ auf gleicher Ebene wie Massenmörder steht“
„In dieser Aufgabe wird bewusst suggeriert, dass die FPÖ auf der gleichen Ebene wie der Massenmörder steht“, schäumt Reinhard Richter, blauer Vizebürgermeister von Kapfenberg. „Es kann nicht sein, dass Schüler derart politisch indoktriniert werden, dass eine demokratisch legitimierte Partei, die noch dazu den Vizekanzler stellt, mit dem Christchurch-Attentäter indirekt in Verbindung gebracht wird.“ Richter fordert, den verantwortlichen Lehrer zur Rechenschaft zu ziehen.

Aufklärung gefordert
Doch nicht nur die FPÖ nimmt den Skandal ernst. „Politsche Beeinflussung im Unterricht, egal in welche Richtung, ist abzulehnen“, betont SPÖ-Bürgermeister Fritz Kratzer, konfrontiert mit den Unterlagen. Auch Bildungslandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) mahnte „Objektivität“ im Unterricht ein und beauftragte die Bildungsdirektion mit der Aufklärung.

Deren pädagogischer Leiter Hermann Zoller will noch Unterrichts-Experten befassen, stellt aber klar: „Der Lehrer darf seine persönliche Gesinnung im Unterricht nicht bewerben. Eine offene Fragestellung wäre besser gewesen als diese Anleitung, die manipulativ wirkt.“

„Maulkorb“ für Lehrer
Dem Lehrer - er durfte wegen eines „Maulkorbs“ von der Bildungsdirektion nicht mit der „Krone“ reden - wird demnächst ein Mahnbrief ins Haus flattern.

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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