27.04.2019 06:50 |

Fünf Schafe gerissen

„Ich habe mir gleich gedacht, das war ein Wolf“

Vier Lämmer und ein trächtiges Mutterschaf wurden Anfang April im obersteirischen Kulm von einem Wolf getötet - das bestätigte jetzt ein DNA-Test. Dass dies trotz eines Schutzzaunes passieren konnte, lässt die Wogen in der Debatte um den Umgang mit dem Raubtier neuerlich hochgehen.

Wie viele Wölfe sich derzeit in Österreich aufhalten, weiß kein Mensch. Tatsache ist aber: Es werden von Jahr zu Jahr mehr. „2018 konnten wir etwa 30 bis 35 Tiere übers Jahr verteilt nachweisen. Angesichts dessen, dass sich allein in den italienischen Ostalpen zurzeit 14 Rudel aufhalten, ist davon auszugehen, dass es auch bei uns kontinuierlich Zuwächse geben wird“, sagt Wolfsexperte Georg Rauer.

Landwirte haben große Sorge
Vor allem die Landwirte fürchten den Räuber - und dies nicht unbegründet, wie der jüngste Vorfall im Bezirk Murau zeigt: „Als ich am Morgen des 5. April zu meinen Schafen gegangen bin und die fünf Kadaver entdeckte, habe ich mir gleich gedacht, das war ein Wolf“, erzählt Bäuerin Andrea Pirker.

Dass weder Maschendraht- noch Elektrozaun das Tier stoppen konnten sowie die Tatsache, dass das Gehege nur 70 Meter vom Wohnhaus entfernt liegt, irritieren die 51-Jährige: „Meine kleine Tochter lasse ich abends nicht mehr außer Haus, das ist mir zu unsicher.“

Seitinger und Kammer fordern Bejagung
Der für die Interessen der steirischen Bauern zuständige Landesrat Johann Seitinger von der ÖVP reagiert in einer Aussendung emotional auf das Thema: „Es ist untragbar, dass Raubtiere, die derartig grausame Tötungen von Zuchttierherden vornehmen, in unserem Land nicht bejagt werden dürfen.“

Naturschützer drängen auf Herdenschutz
Heimische Naturschützer bleiben ebenso auf Linie: Ein Abschuss des Wolfes käme nicht infrage, man müsse lernen, mit den Tieren zu leben. Begleitende Maßnahmen für Landwirte sowie Entschädigungszahlungen wären aber notwendig: „Den Herdenschutz stärker zu forcieren und zu fördern, ist jetzt vermutlich das Wichtigste“, meint auch Rauer.

Almauftrieb unsicher
„Ich will keine Entschädigung, ich will eine tragbare Lösung für die Zukunft“, betont Landwirtin Andrea Pirker. Am besten noch vor Beginn der heurigen Weidesaison: „Am 15. Juni steht der Almauftrieb meiner Kühe an. Lasse ich sie im Stall, würde das einen großen wirtschaftlichen Schaden für mich bedeuten“, erklärt die Obersteirerin. „Bringe ich die Tiere auf die Alm, habe ich jedoch auch kein gutes Gefühl - ich kann ja keine Festung für sie bauen.“

Barbara Winkler
Barbara Winkler

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