Wilfried Hanser

Er schenkte Menschen und Dingen ein zweites Leben

Tirol
16.04.2019 09:00
Porträt von Mirjana Mihajlovic
Von Mirjana Mihajlovic

33 Jahre lang unterstützte Wilfried Hanser mit dem Unternehmen Ho&Ruck Menschen, die verzweifelt nach Arbeit suchten. Nun übergibt er zufrieden an seine Nachfolger.

„Es kann jedem passieren“, betont Wilfried Hanser. Betriebsauflösung, Rationalisierung, psychische Probleme – das alles kann zu einem Jobverlust führen. Noch viel mehr Faktoren spielen eine Rolle, wenn es darum geht, wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Wenn selbst der Arbeitsmarktservice nicht mehr weiter weiß, kommt man etwa zu Ho&Ruck. Hanser war 33 Jahre lang Geschäftsführer der sozialökonomischen Einrichtung. Er ist nun seit April – wie berichtet – in Pension und denkt gerne an die Entwicklung des Unternehmens zurück: „Das Angebot war schon immer Abholung, Reparatur und Verkauf.“ Doch dahinter steckt viel mehr.

Eine verdiente Chance
„Wir sehen jeden Tag, was für ein Potenzial in den Menschen steckt“, kann Hanser mit voller Überzeugung behaupten. Mit dem Indoor-Flohmarkt und dem Transport- und Räumungsservice entstehen 31 Transitarbeitsplätze. Für ein Jahr haben Menschen, die seit längerem nach Arbeit suchen, eine zweite Chance. Hanser erklärt: „Wir überlegen, was jemand zum Erfolg braucht.“ Danach funktioniert die Zuteilung in eine Abteilung, zum Beispiel Werkstatt, Transit oder Verkauf. Dort lernen die Transitarbeiter so genannte „soft skills“, wie etwa Organisation, Pünktlichkeit und den Umgang mit Kunden. Man kann aber auch den Lkw-Führerschein machen oder sich in der Werkstatt Fähigkeiten aneignen.

Arbeit ist nicht alles
In der umfunktionierten Lagerhalle, die nun als Unternehmenssitz und Indoor-Flohmarkt dient, stehen jederzeit Sozialarbeiter zur Verfügung. „Die Transitmitarbeiter erhalten Beratungsstunden während der Arbeitszeit“, schildert Hanser, „zu Themen wie Gesundheit, Schulden, Wohnsituation und ähnlichem. Wir versuchen, diese Stressfaktoren zu reduzieren.“ Oft befänden sich die Betroffenen in einer so schweren Lebenssituation, dass sie gleich das Handtuch werfen. „Manche wurden über Jahre runtergemacht. Viel zu oft werden Arbeitslose von der Gesellschaft als ‘faul’ abgestempelt“, erklärt Hanser, „doch der Großteil will wirklich arbeiten. Oft bin ich vom Engagement der Transitarbeiter beeindruckt.“

Den Wert in allem sehen
Doch nicht nur Menschen bekommen bei Ho&Ruck eine zweite Chance. „Es ist oft schwer, in kaputten Gegenständen noch etwas zu sehen und ihren Wert zu bestimmen“, meint Hanser zum Flohmarkt. Ein großer Teil des Angebots kommt von den Entrümpelungen. „Aber viele kommen uns auch mit Warenspenden entgegen“, fügt er hinzu, „sie sind dankbar, wenn ihre Sachen nicht auf dem Müll landen. Und sie wissen, dass sie dadurch eine soziale Zielsetzung unterstützen.“ Bei Ho&Ruck sieht man den Wert in allem, Menschen sowie Dingen. Hanser ist das Unternehmen und wofür es steht offensichtlich ans Herz gewachsen. Doch er übergibt gern an Martina Wolf-Kuntner und Thomas Holzer: „Ich bin dankbar für die Zeit und dafür, an etwas so tollem mitgearbeitet zu haben.“

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