25.03.2019 19:10 |

Steirische Unternehmen

Frauen am Chef-Sessel: Noch viel Luft nach oben

An der Spitze der Volksbank Steiermark stehen seit Kurzem zwei Frauen - wir haben darüber berichtet. Ein positives Beispiel, denn in den Chefetagen bleiben Damen weiterhin die Ausnahme. Wie die Statistik zeigt, sind es auf der Führungsebene immer noch die Männer, die den Großteil der Posten besetzen. Die „Steirerkrone“ hat sich die steirischen Zahlen angeschaut.

628.161 Frauen leben in der Steiermark, so das Amt für Statistik und Geoinformation. Etwas mehr als ein Drittel davon ist berufstätig. Schaut man in den Führungspositionen auf das Geschlecht, stellt man fest: Die Damen bilden eine Minderheit und sind in den seltensten Fällen in der Chefrolle.

In den Großkonzernen der Steiermark beträgt der Frauenanteil in Führungsetagen laut dem Frauennetzwerk Felin (Female Leaders Initiative) etwa 11 Prozent.

Eine „deprimierende“ Zahl
Eine Zahl, die Heide Cortolezis, Felin-Obfrau, als „deprimierend“ bezeichnet: „Die Anzahl der Frauen mit hoher Qualifikation steigert sich von Jahr zu Jahr - der Anteil von Frauen in Führungspositionen hält damit aber überhaupt nicht Schritt, sondern war im Jahr 2018 verglichen zu 2017 rückläufig“, so Cortolezis.

Auf die Frage, was sich dagegen unternehmen lasse, meint sie, dass lange genug versucht worden sei, Frauen in Richtung einer althergebrachten Männer-Welt „upzugraden“: „In den Organisationen und Unternehmen müssen auch Strukturen, Kultur und Abläufe verändert werden.“

Diskussion um die Frauenquote
Eine viel diskutierte Maßnahme dafür ist die Frauenquote. Daran denkt auch die Südsteirerin und Bundesministerin für Frauen Juliane Bogner-Strauß. Eine starre 50-Prozent-Quote über alle Branchen hinweg hält sie allerdings nicht für sinnvoll. „Aber gerade in Bereichen, wo Frauen noch unterrepräsentiert sind, wäre es wünschenswert. An der Technischen Universität hatten wir eine Frauenquote. Weil das noch immer eine Männerdomäne ist“, sagt Juliane Bogner-Strauß in einem Interview mit der „Krone“.

Sie meint, man müsse noch mehr kommunzieren, um auch weibliche Interessenten für Technik zu begeistern. „Ich möchte Mädchen Mut machen, in technische Berufe zu gehen. Sowohl Eltern als auch Lehrerinnen und Lehrer sind hier als Vorbilder und Mutmacher gefordert“, so Bogner-Strauß. „Man darf sich nicht unterkriegen lassen und muss selbst aktiv werden.“ Eine Quote könne daher immer nur eine unterstützende Maßnahme sein, um mehr Bewusstsein für Frauen in Führungspositionen zu schaffen.

Gute Werte für einen technischen Betrieb
Eines der größten Unternehmen in der Steiermark ist Magna Steyr. Der Frauenanteil beträgt dort - sowohl in der Produktion als auch in Führungsebenen - immerhin 15 Prozent. Für ein technisches Unternehmen sei das ein vergleichsweise sehr guter Wert, wie es auf „Krone“-Anfrage heißt.

Die dortige Marketingchefin Ana Topolic-Kriechbaum hat es nicht als schwer empfunden, in eine Führungsposition zu gelangen. „Im Industriebereich, wie beispielsweise in der Automobilindustrie bei Magna, hat man als Frau mit einer technischen Ausbildung einen Vorteil“, sagt sie.

„Gute Ausbildung ist die wichtigste Basis“
Das Geschlecht hält sie nicht für relevant, wenn es um die Chefrolle geht: “Eine gute Ausbildung ist die wichtigste Basis, wenn man es in eine Führungsposition schaffen möchte. Hinzu kommt, dass man das notwendige Selbstvertrauen mitbringt und an sich selbst glaubt.„ Oft sind im Endeffekt aber auch die Firmen selbst gefragt. Chancengleichheit verspricht auch der Grazer Standortleiter von Magna, Wolfgang Zitz: “Mann oder Frau haben hier die gleichen Rechte und Pflichten. Wir wissen, dass heterogene Teams bessere Ergebnisse erbringen und fördern daher die Diversifizierung im Unternehmen."

Der geforderte Umdenkprozess ist also - wenn auch für einige zu langsam - im Gang. Bis zur gänzlichen Zufriedenstellung bedarf es wohl noch etwas mehr Zeit.

Marco Steurer
Marco Steurer
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