Europa-League-Hit

Garics: „Salzburg kann auch Napoli wehtun!“

Dort, wo Salzburg am Donnerstag um eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel im Europa-League-Achtelfinale kämpft, erlebte György Garics zwei unvergessliche Jahre: Der 34-Jährige war im Sommer 2006 von Rapid zu Napoli gewechselt, schaffte mit dem Klub den Aufstieg in die Serie A und wurde dort bis zu seinem Abschied im Sommer 2008 zur Stammkraft. Im Interview mit der „Krone“ blickt Garics auf diese Zeit zurück und traut Salzburg gegen seinen Ex-Klub durchaus etwas zu.

„Krone“: György, wie kam es 2006, als Du bei Rapid spieltest, zum Kontakt mit Napoli?
György Garics: Es war der erste Klub, der sich für mich interessierte, ehe auch Tottenham, Monaco und zuletzt Torino mich engagieren wollten. Obwohl die Gespräche zwischendurch etwas ins Stocken gerieten, blieb Napoli dran und wir fixierten letztlich binnen zwei Tagen meinen Wechsel.

Der Klub war damals gerade in die Serie B aufgestiegen, mit Dir gelang dann der Durchmarsch in der Serie A.
Ich bin heute noch immer wieder mal in Neapel. Auch wenn das nun schon 12, 13 Jahre zurückliegt, werde ich noch oft auf die Aufstiegs-Saison angesprochen. Für die Leute bin ich noch immer einer von denen, die das damals geschafft hatten. Es ist nicht irgendein Verein. Wenn man das Trikot von Napoli einmal getragen hat, bleibst du sehr vielen Fans ewig in Erinnerung.

Welchen ersten Eindruck hattest Du damals von der Stadt?
Was Ordnung, Ruhe, Organisation oder auch Sauberkeit betrifft, tauchte ich in eine andere Welt ein. Fahrstreifen oder Stopp-Tafeln werden nicht so ernst genommen, Gesetze schon mal freier interpretiert. Doch mit den alten Häusern und Wohnungen hatte die Stadt für mich von Anfang an ein ganz spezielles Flair.

Dadurch, dass du dir schnell Italienisch angeeignet hast, kamst Du auch rasch mit den Fans in Kontakt.
Das war auch lustig. Als sie merkten, dass ich Italienisch sprach, schwenkten sie gleich auf Neapolitanisch um, waren überzeugt, dass ich das dann auch sprechen kann. Nur ist dieser Dialekt eine eigene Sprache, so lernte ich für jeden Begriff gleich mal zwei Wörter kennen.

Wie muss man sich so ein Wochenende vorstellen, wenn Napoli in der Serie A zu Hause spielt?
Da steht, wenn um 15 Uhr Anpfiff ist, bis kurz vor 17 Uhr fast alles still. Da gibt es 80 Prozent weniger Verkehr in der Stadt, sind die Leute im Stadion oder hocken vor dem TV. Da kannst nackt durch die Straßen laufen und niemand wird dir Aufmerksamkeit schenken.

Die Fans sind verrückt nach dem Klub - hast du da die eine oder andere Anekdote erlebt?
Ja klar. Wenn wir nach dem Training nach Hause fuhren, standen da oft viele Fans, wollten Autogramme von uns. Ich kurbelte da eines Tages wie so oft die Scheibe runter, um zu signieren. Dass einer der Fans zeitgleich auf mein weißes Auto mit schwarzen, wasserfesten Stift und in riesengroßen Lettern „Forza Napoli“ geschrieben hatte, bemerkte ich erst zuhause nach dem Aussteigen. Damals war ich auf 180, heute muss ich darüber schmunzeln.

Warum kam es dann 2008 dennoch zum Abschied?
Der Draht zu Sportdirektor Marino, der mich 2006 geholt hatte, war immer schlechter geworden. Als er dann im Sommer 2008 von Sampdoria Genua für neun Millionen Euro Christian Maggio für meine Position geholt hatte, war mir klar, dass mir künftig ein Leben auf der Ersatzbank blühen würde. Das wollte ich nicht, und so bin ich zu Atalanta Bergamo gewechselt, hatte dann noch viele tolle Jahre in der Serie A.

Die Stadt Neapel wird auch immer wieder mit Kriminalität in Verbindung gebracht. Wie ist es dir da ergangen?
Ich fühlte mich bis heute nie in Gefahr. Es ist auch nicht so, dass Kriminalität gang und gäbe wäre, aber man muss bestimmt aufpassen. Es gibt auch Einheimische, die nehmen in bestimmten Gegenden beim Autofahren ihre Uhr ab, stecken sie lieber in die Hosentasche.

Bist du noch mit ehemaligen Spielern in Kontakt?
Marek Hamsik ist einer der wenigen Mitspieler aus meiner gesamten Profi-Zeit, der bis heute ein Freund geblieben ist. Ich bin mit ihm regelmäßig in Kontakt, erst in dieser Woche haben wir uns per SMS ausgetauscht.

Wie ist Dein Tipp fürs Duell Napoli gegen Salzburg?
Am Papier ist Napoli Favorit, doch für mich stehen die Chancen 50:50. Denn Salzburg hat im Vorjahr seine Klasse in Europa wiederholt gezeigt, kann auch Napoli wehtun. Da steckt viel Qualität dahinter. Durch meine Vergangenheit habe ich natürlich meine Sympathien, da wird jeder verstehen, dass ich Napoli die Daumen drücken.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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