26.01.2019 21:35 |

Freiwillige als Lotsen

Ein Klinik-Navi mit persönlicher Note

1000 und mehr Wege führen durch das größte Krankenhaus Westösterreichs in Innsbruck. So mancher Besucher hat sich dort schon verirrt. Mit einem Klinik-Lotsen kann das nicht passieren. Die Ehrenamtlichen des Vereins Klinikbrücke stehen Montag bis Freitag mit Rat und Tat zur Seite. Die „Krone“ hat sie begleitet. 

Als Patient oder Besucher der Klinik Innsbruck kennt man das Gefühl: Man steht in einer Häuserschlucht, vor dem Aufzug, am Beginn eines ewig langen Ganges. Und wohin jetzt?

Die Stirn in Falten, die Augen auf der Suche nach einer Orientierungshilfe zusammengekniffen – der ganze Mensch ein einziges Fragezeichen. Eindeutig ein Fall für Rudolf Wagner, Karl Heel und Johann Völlenklee. Die drei Männer sind ehrenamtliche Klinik-Lotsen. Ein Job mit hohem Erfolgsfaktor. „Wir kommen immer ans Ziel“, meint Wagner lachend und zeigt auf eine ältere Dame: „Die braucht bestimmt einen Rat.“ Als erfahrener Klinik-Lotse hat Wagner den Blick für die, die den Überblick verloren haben.

Täglich mit einem guten Gefühl nach Hause
Wagner entschwindet zu seinem nächsten Auftrag. Währenddessen ist Zeit, mit seinen Kollegen über die Motivation für dieses Ehrenamt im Verein Klinikbrücke zu plaudern. „In der Pension wollte ich was für die Gesellschaft tun. Was zurückgeben dafür, dass es mir in dieser Gesellschaft gut ergangen ist“, bringt Karl Heel ein triftiges Argument vor. Johann Völlenklee überlegt kurz und beschreibt dann das, was die meisten Ehrenamtlichen antreibt: „Man geht jeden Tag mit einem guten Gefühl nach Hause.“

Unendliche Weiten und ein Südtiroler-Schalter
Die Lotsen sind die bislang jüngste Dienstleistung des Vereins Klinikbrücke. 33 Ehrenamtliche sind Montag bis Freitag immer am Vormittag auf dem Klinikareal unterwegs, um Besucher in den unendlichen Weiten des größten Krankenhauskomplexes in Westösterreich sicher an ihr Ziel zu bringen. Mit 15 Gebäuden, 86 Stationen, 41 Ambulanzen und 36 einzelnen Kliniken gibt es viele Möglichkeiten, sich zu verlaufen.

Kein Navi, kein Google-Maps, keine App können bis dato leisten, was die Klinik-Lotsen in ihrem Kopf gespeichert haben. „Die Abteilung, die wir nicht kennen, gibt es nicht“, macht Wagner eine selbstbewusste Ansage. Er kann’s! Und dann erwähnt Wagner eine Abteilung, die es weltweit nur einmal gibt – an der Klinik Innsbruck. „Wir sagen Südtiroler-Schalter dazu. Ein Büro, dass die besonderen Abrechnungsmodalitäten mit Südtirol regelt.“

Ein nettes Gespräch macht den Weg zum Ziel
Gedächtnisambulanz oder Raum der Stille – die Klinik-Lotsen wissen wohin. Sie kennen jede Abteilung, jeden Weg! Doch der ganze Wert ihres Tuns wird erst Schritt für Schritt ersichtlich. „Wir sind kein unpersönliches Auskunftsbüro. Die meisten Menschen freuen sich darüber, wenn man am Weg ein bisschen ins Plaudern kommt. Man spricht über dies und das – und schon ist man am Ziel“, erzählt Heel von schönen Begegnungen und großer Dankbarkeit gegenüber den freundlichen Begleitern. Denn wer in die Klinik kommt, der hat oft Sorgen im Gepäck. Da sind ein paar Minuten Ablenkung sehr willkommen.

„Vielleicht trauen wir uns das nicht zu“
Heel und seinen Kollegen ist klar, dass ihre Arbeit nicht so spektakulär klingt wie der Besuchsdienst – ebenfalls ein Angebot der Klinikbrücke. 51 Freiwillige arbeiten in diesem Team, vorwiegend Frauen. Sie besuchen Kranke, um ihnen in einer schwierigen Zeit beizustehen. Der Lotsendienst wird hingegen vorwiegend von Männern getragen. „Vielleicht trauen wir uns den direkten Kontakt mit Kranken nicht zu. Wenn du an deren Bett sitzt, musst du viel Einfühlungsvermögen mitbringen“, denkt Völlenklee laut über mögliche Unterschiede nach.

Wer die Lotsen beobachtet, erkennt rasch, dass auch sie viel soziales Talent besitzen. Das Talent, offen auf Menschen zuzugehen, ihnen die Hand zu reichen, sie ein Stück zu begleiten – und sicher an ihr Ziel zu bringen.

Klinikbrücke sucht freiwillige Helfer
Insgesamt sind für den Verein Klinikbrücke 92 Frauen und Männer ehrenamtlich tätig. Jährlich wickeln sie rund 3700 Einsätze ab: An der Klinik Innsbruck und den Krankenhäusern in Hall, Natters und Hochzirl. Derzeit ist der Verein wieder auf der Suche nach Freiwilligen. Informationen für Interessierte. www.klinikbruecke.at, Tel: 050504-28541. E-Mail: klinikbruecke@tirol-kliniken.at

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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