19.01.2019 13:00 |

Urlauberschichtwechsel

Bitte umsteigen! Die Bahn soll Blechlawine stoppen

Urlauberschichtwechsel! Und Tirols Straßen stehen regelmäßig vor dem Kollaps. Vor allem im Winter. Nur 20 Prozent der Gäste reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Am wenigsten genutzt wird die Bahn. Die Touristiker suchen nach Umstiegsmöglichkeiten. St. Anton und Seefeld haben sie schon gefunden.

Elias Walser, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Seefeld, ist optimistisch. Der im Dezember neu eröffnete Bahnhof in Seefeld eröffnet dem Tourismus ganz neue Perspektiven. Die Hoffnung ist berechtigt, dass die Olympia- und demnächst auch wieder WM-Region Seefeld ein Vorzeigemodell in Sachen Bahntourismus werden kann.

Nur fünf Prozent der Gäste auf Schiene
Noch fristet der Bahntourismus in Tirol ein Schattendasein. In der letzten Erhebung ist von gerade einmal fünf Prozent Bahnanreisen die Rede. Der Luftweg ist fast doppelt so beliebt. 80 Prozent der Gäste kommen mit dem Auto. Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung, verweist auf das Projekt „Tirol auf Schiene“, mit dem Gästen der Umstieg schmackhaft gemacht werden soll. Zumindest zehn Prozent Bahnanteil sind anvisiert. Was braucht es dafür? Mehr Verbindungen, mehr Tirol-Stopps im Fernverkehr. „70 waren es 2012. Heute stehen wir bei 194“, stellt Phleps gegenüber.

Von Hamburg direkt ins Zentrum von Seefeld
Wie’s funktionieren kann, zeigt sich in Seefeld. „Die neuen Direktverbindungen von Hamburg und Dortmund sind für uns Gold wert. In neun Stunden sind die Gäste von Hamburg bei uns. Und das ohne Umsteigen“, betont Walser, worauf es ankommt. Jahrelang war das nicht möglich, weil der Bahnhof München die wichtigste Drehscheibe für internationale Verbindungen war. Wohin die Menschen auch wollten – in München mussten sie umsteigen. Und das machen Wintergäste mit üppigem Gepäck nicht mit!

Das Gepäck ist wesentliches Argument fürs Auto. Weil aber immer mehr Urlauber ihre Skiausrüstung vor Ort mieten, spielt das den Bahnbefürwortern in die Hände. Bleibt das Buchen: „Schon heute verkaufen wir in unserem Info-Büro Bahntickets. Wir arbeiten daran, dass der Gast Anreise, Ausrüstung, Hotel und regionale Angebote aus einer Hand bekommt“, erklärt Walser.

Ambitioniertes Ziel: Ein Drittel Anreise per Bahn
Mehr als 1 Million Nächtigungen verzeichnet Seefeld im Winter, 300.000 Gäste kommen, der Großteil (45%) aus Deutschland. Die neuen Verbindungen könnten also einiges bewegen. Walser geht davon aus, dass Seefeld bis zu einem Drittel Bahnanreise schaffen kann. Ein ambitioniertes Ziel. Seit Kurzem ein machbares Ziel.

Interview: „Das schafft man mit dem Auto nie“
Zur Ski-WM im Jahre 2001 bekam St. Anton einen neuen Bahnhof. Seither setzt man am Arlberg vermehrt auf Bahntourismus. TVB-Geschäftsführer Martin Ebster über bisherige Erfolge und Lücken im System.

Laut letzter Ergebung reisen fünf Prozent der Tirol-Urlauber mit der Bahn an. Ein sehr niedriger Wert. Gilt der auch für St. Anton?
Wir liegen mittlerweile bestimmt einiges über diesem Anteil, auch wenn eine genaue Erhebung fehlt. Vor allem im Winter wächst das Interesse für eine Anreise mit der Bahn auffallend rasch.

Was waren die entscheidenden Entwicklungen?
An erster Stelle der Ausbau der Verbindungen: Vom Flughafen Zürich ist man heute in zwei Stunden bei uns. Von Wien in knapp sechs Stunden. Das sind Werte, die man an Reisetagen mit dem Auto nie schafft. Leider bleibt nicht jeder Zug in St. Anton stehen. Da wollen wir in den nächsten Jahren noch viel mehr erreichen. Die Verhandlungen mit den ÖBB laufen derzeit. Es geht dabei nicht nur um die Fernverkehrszüge, sondern auch um die Regionalverbindungen. Die brauchen wir vor allem für unsere Mitarbeiter und unsere Tagesgäste.

Wo kann es sich sonst noch spießen?
Die letzten Kilometer zum Hotel müssen gut organisiert sein. Die Urlauber wollen nicht am Bahnhof stranden und für die letzte Wegstrecke vergleichsweise viel Zeit verschwenden. Da sind viele Hotels bereits sehr gut organisiert.

Was die Urlauber auch wollen: pauschal buchen. Von der Anreise über die Unterkunft, die Liftkarte und den Skiverleih.
Ja, da gibt es noch Luft nach oben. Wir arbeiten daran, alles aus einer Hand anbieten zu können. Beispiele gibt es aber bereits. Bei der Bahnanreise von Wien kann man den Skipass mittlerweile bereits mitbuchen. Das kommt bei den Gästen gut an.

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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