29.12.2018 07:10 |

„Mordfall Irene“

Online-Chat: „Eine Kugel spar ich mir für mich“

Es sind brisante Details rund um den Mord an der 20-jährigen Irene P. in Zell am See: Die junge Frau war am 20. Oktober mit drei Schüssen niedergestreckt worden. Ein Verdächtiger (17) wurde schließlich  festgenommen. Ihm kam die Polizei über „digitale Fußabdrücke“ auf die Spur. Ein Online-Zocker aus Deutschland schlug bei den Behörden Alarm, nachdem der 17-Jährige einen Amoklauf im Internet-Chat angekündigt hatte. „Und eine Kugel spar ich mir für mich“, schrieb der Teenager.

Mit drei Schüssen in den Oberkörper wurde Irene P. am 20. Oktober gegen 21.30 Uhr bei ihrer Wohnungstür in der Zeller Einödsiedlung direkt am Seeufer niedergeschossen. Die junge Frau verblutete innerlich. Der Täter entkam, es gab nur eine vage Personenbeschreibung einer Nachbarin.

Die Polizei stellte Patronen und Fingerabdrücke sicher. Dutzende Freunde, Nachbarn und Angehörige wurden befragt. Dann wurde Irenes Drogenvergangenheit durchleuchtet. Sie hattemit Cannabis gedealt und sollte nacheiner zweiwöchigen U-Haft vor Gericht gegen neun andere Dealer aus dem Raum Zell am See aussagen. Internet-Experten der Exekutive nahmen den so genannten „digitalen Fußabdruck“ von Irene P. genau unter die Lupe. Die Pinzgauerin war auf Facebook und Instagram sowie in diversen Chats aktiv. Ihre Handydaten und ihre E-Mails wurden ebenso ganz exakt durchleuchtet.

Der Bursche war bereits im Visier der Ermittler
Das Leben der Frau konnte so relativ gut rekonstruiert werden. Vieles deutete auf den nun inhaftierten 17-Jährigen als Verdächtigen hin. Der entscheidende Hinweis fehlte aber noch. Der kam dann aus Deutschland. Der Jugendliche hatte im durchaus langen Chat-Verlauf eines Online-Videospiels nur einen Tag vor Weihnachten von einer Gewalttat ähnlich einem Amoklauf geschwärmt. Einer der Spielkameraden, ein Deutscher, nahm die Äußerung sehr ernst und alarmierte die Polizei. Die Deutschen gaben die Warnung weiter. Die Salzburger Staatsanwaltschaft ordnete daraufhin eine Durchsuchung des Elternhauses des Burschen in Thumersbach an. Im Zimmer des Pinzgauers fanden die Beamten eine Schreckschusspistole, die offenbar von einem Profi zu einer funktionierendenWaffe umgebaut worden war. Das reichte für eine Festnahmeanordnung. Der Bursche wurde an seinem Arbeitsplatz verhaftet.

Unfassbar: Dort trug er eine zweite umgebaute Waffe bei sich. Die Untersuchung der Pistolen im Labor ergab einen Treffer. Fest stand: Mit einer der Waffen wurde Irene P. erschossen.

Jugendlicher schweigt noch bis zum 9. Jänner
Der 17-Jährige, der von Rechtsanwalt Michael Ringl verteidigt wird, verweigert auf dessen Anraten hin vorerst die Aussage. Er sitzt in der Justizanstalt in Puch.Der Bursche soll von Irene P. mehrfach Cannabis bezogen haben. Er dürfte sich - so die Ermittlungen - in die hübsche Blondine verliebt haben. Sie hatte aber kein Interesse an ihm. Möglicherweise brachte ihn das zum Ausrasten. 

Unklar ist auch noch, ob es Mittäter gibt. Die Polizei ermittelt weiter.

Manuela Kappes
Manuela Kappes
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