Treffpunkt Remise Steyrergasse, 23.45 Uhr. Für Journalisten nicht unbedingt die beliebteste Uhrzeit für einen Termin. Temperatur: minus 10 Grad. Thomas Kerschberger vom "Technischen Service Straßenbahn" der Graz AG empfängt uns sehr freundlich.
2,16 Millionen Euro pro Modell
In der Straßenbahn-Garage machen wir uns sofort auf die Suche nach dem "Silberpfeil", eine der insgesamt 45 nagelneuen und je 2,16 Millionen Euro teuren Variobahnen. Vorbei geht's an älteren und jüngeren Modellen, dann steht er vor uns - der Stolz der Grazer Verkehrsbetriebe. Noch schnell die Scheinwerfer poliert, die Laptops angeworfen und schon heißt es kurz nach Mitternacht: "Bitte einsteigen, Platz nehmen, die Fahrt geht los."
Der Sinn der inzwischen dritten Probefahrt durch das nächtliche Graz zwischen Andritz und Puntigam: "Es gibt einige Parameter, die getestet werden müssen", erklärt Kerschberger. Heißt: Die Straßenbahn wird auf die Gegebenheiten von Graz angepasst. In der Fahrerkabine sitzt Oberfahrmeister Sven Müller, er ist seit zwölf Jahren mit Leidenschaft dabei. "Gib Gas, die wollen die Traktion messen!", kommt die Order von hinten. An den Laptops sitzen die Experten der ABB Henschel. Von ihnen wurde der Prototyp entwickelt.
Auch die Polizei war mit an Bord
Kurzer Stopp vor dem Rathaus - Fototermin! Hier stoßen Gruppeninspektor Gerald Prettenthaler und sein Kollege Revierinspektor Karl-Heinz Moser dazu. Auch die Polizei will sich von der nagelneuen Straßenbahn ein Bild machen. "Gut, dass es die Videoüberwachung gibt", loben die Beamten. Mit insgesamt acht Kameras ist die Niederflurstraßenbahn bestückt, der Fahrer hat damit alles im Blick. Sicherheit für die Passagiere.
Gerade einmal 60 Kilometer hat die Variobahn bis jetzt auf den Rädern. Und jede Nacht werden es mehr. Bis vier Uhr früh wird getestet. "Es geht um die Optimierung der Antriebssteuerung", erklärt Dominic Boek, Inbetriebsetzer der Firma Stadler. Er weiß auch, dass der "Silberpfeil" leiser und ruhiger wird, wenn sich die Räder an die Schienen angepasst haben. "Maximale Zugkraft, maximale Bremsen!", kommt der nächste Befehl an den Oberfahrmeister.
Der "Silberpfeil" hat sogar "Groupies"
Der erzählt uns später von den Straßenbahn-Fans: "Bei der ersten Ausfahrt sind welche nebenher gelaufen und uns nachgefahren. Einer hat erzählt, er habe 470 Fotos gemacht." Sachen gibt's. Übrigens - auch der Arbeitsmediziner Georg Wultsch ist dabei. Bis Ende 2015 sollen alle 45 Bahnen durch Graz bimmeln. Die erste voraussichtlich Ende März.
Kurz vor zwei Uhr früh bei jetzt minus 12 Grad: Rückkehr zur Remise. Wir müssen raus. Danke, es war eine angenehme Fahrt!
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