"Krone": Auf Ihrem Schreibtisch liegt ein Stapel Briefe, unter anderem an Ihrem Partner bei der Sberbank, Herman Gref. Ist durch das nicht gelungene Geschäft eine gewisse Missstimmung zwischen den Beteiligten aufgetreten?
Wolf: Im Gegenteil, Magna hat bewiesen, dass wir zuverlässige Partner sind, die Strategien detailliert ausarbeiten und finanzieren können. Natürlich schreibe ich allen Mitstreitern, darunter Herrn Gref von der Sberbank persönlich, dass ich den Ausgang bedaure, aber die gute Zusammenarbeit geschätzt habe.
"Krone": Das heißt, das Konsortium wäre bereit zu neuen Taten?
Wolf: Für das Unternehmen Opel wünsche ich mir, dass es auch General Motors gelingen wird, den Betrieb zu sanieren. Es macht mich auch stolz, dass die "Neue Zürcher Zeitung" erwähnt, dass ein Großteil unserer Strategie übernommen wird.
"Krone": Magna hat nun 500 Millionen Euro in der Kriegskassa, die nicht für Opel reserviert sind. Welche Pläne haben Sie damit?
Wolf: Da halte ich es so wie auch im normalen Leben: Nur weil man sich vorgestellt hat, etwas zu kaufen, muss man das Geld ja nicht unbedingt ausgeben, nur weil das Gewünschte nicht klappt. Man wartet auf die nächste Gelegenheit. Auch die Opel-Beteiligung war nicht geplant.
"Krone": So gesehen, ging es für Sie gar nicht so schlecht aus, weil immerhin Ihr Hauptkunde General Motors weniger gefährdet scheint?
Wolf: Das macht es etwas leichter, denn ursprünglich waren wir ja nicht auf der Suche nach einem Autohersteller, den wir kaufen können. Wir wollten General Motors als Kunden helfen und haben dies über einen gewissen Zeitraum hinweg wohl auch getan. Wir würden das wieder tun.
"Krone": Wie wird sich die neue Situation für die Arbeitsplätze bei Magna und bei Opel auswirken?
Wolf: Für Magna wird sich nichts ändern. Die Technologie, die wir entwickelt haben, werden wir genau so in der Autoherstellung verwenden, vielleicht wäre es bei Opel einfacher gegangen. Für Opel möchte ich nicht sprechen. Man wird allgemein sehen, wie sich die Beschäftigung in der Industrie entwickelt. Wir werden auf neue Arbeitszeitmodelle umsteigen müssen. Die große Aufgabe der Politik in den nächsten Jahren wird es sein, unter den veränderten Umständen weiterhin für soziale Sicherheit und somit Frieden sorgen zu können. Nur muss ich mich sehr wundern, wenn ich die diesbezüglichen Ansätze sehe.
"Krone": Was heißt neue Arbeitszeitmodelle? Kurzarbeit als Normalfall?
Wolf: Wir brauchen flexiblere Modelle, die sich an die tatsächlichen Notwendigkeiten anpassen lassen.
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