Sa, 21. Juli 2018

Kettcar in Graz:

22.01.2018 12:50

Uncool, aber aufrichtig

Fünf Jahre lang war es still um Kettcar, ehe sich für die Fans der Polit-Rocker aus Hamburg im Herbst 2017 mit der Single „Sommer ’89“ ein furioses Comeback ankündigte. Im ausverkauften Grazer Orpheum präsentierte die Band um Marcus Wiebusch am Sonntag ihr neues Album „Ich vs. Wir“!

Egoismus oder falsch verstandenes Wir-Gefühl? Individualismus oder Miteinander? Im Fahrwasser derartiger Gegensätze surft Kettcar auf dem neuen Album. Mehr denn je kanalisiert die Band in ihren Songs die Wut der sogenannten Gutmenschen im Angesicht des Verlusts an Mitgefühl und tritt gegen den Zynismus der Wohlstandsgesellschaft auf.

Zu Klassikern wie „Money Left to Burn“ oder „Tränengas im High-End-Leben“ kommen neue Polit-Kracher: „Mannschaftsaufstellung“ und „Wagenburg“ über den Rechtsruck in der Gesellschaft, „Sommer ’89“ über die Massenflucht aus der DDR, die während der aktuellen Flüchtlingswelle nur allzu gern vergessen wurde, oder die Wiebusch-Solo-Nummer „Der Tag wird kommen“ über Schwulenfeindlichkeit im Fußball.

Dieses Einmischertum hat Kettcar den Ruf der uncoolsten Band Deutschlands eingebracht und das obwohl live stets der Punk zu spüren war – und ist. Musikalische Perfektion sucht man vergebens: Wiebusch ist zwar ein genialer Texter, aber bei weitem kein genialer Sänger. Muss er auch nicht sein. Denn es ist die unbeirrbare Aufrichtigkeit und das Gespür für den richtigen Kracher zur richtigen Zeit, die Kettcar zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Bands machen.

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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