03.11.2008 09:44 |

Herr der Lüfte

Der "Air-Race"-Weltmeister kommt aus Trofaiach!

"Überflieger" Hannes Arch (Bild) hat nicht lange gefackelt und sich im australischen Perth souverän und vorzeitig den Weltmeistertitel der "Red Bull Air Race World Series 2008" gesichert. Der Obersteirer gewann am Samstag die Qualifikation und hat damit den Gesamtsieg in der Tasche. Arch hat auch Sportgeschichte geschrieben, weil er als erster Europäer den Titel in dieser von der Federation Aeronautique International (FAI) anerkannten und weltweiten Flugsportserie gewonnen hat.

Die Erleichterung war dem 41-jährigen Trofaiacher deutlich anzusehen. "Unglaublich. Für mich und mein Team ist damit ein Traum wahr geworden", jubelte Arch, nachdem er mit der österreichischen Fahne aus seinem Flugzeug geklettert und von seinen bereits in schwarzen "Weltmeister-Shirts" gekleideten Teammitgliedern mit Champagner empfangen worden war. "Ich bin stolz darauf, Österreicher zu sein. Und ich bin nur noch glücklich", gestand Arch unter dem tiefblauen Himmel Westaustraliens.

Arch hätte bei neun Zählern Vorsprung auf den Briten Paul Bonhomme den Titel nur verlieren können, wenn er in Perth punktlos geblieben und Bonhomme gleichzeitig gewonnen hätte. Nach dem Quali-Sieg kann er am Sonntag aber im schlechtesten Fall Achter werden und hat damit den WM-Titel sicher. Neben Ruhm und Ehre gibt es dafür erstmals eine an Formel 1 und DTM angelehnte Porzellan-Trophäe im Wert von 8.700 Euro.

Immer extrem unterwegs
Für den Extremsportler und Base-Jumper, der als erster Mensch von den Nordwänden des Eiger und des Matterhorns gesprungen ist und 2006 Europameister im Kunstflug war, ist der Gewinn der "World Series" der bisher größte sportliche Erfolg. "Zumindest der intensivste", erklärte der neue Champion. "Denn bei den Extremsportarten kannst du weglaufen, wenn du dich nicht wohlfühlst. Beim 'Air Race' kommt auch noch der Wettkampf hinzu. Der Stress ist riesengroß und es ist definitiv Sport", zeigte Arch große Genugtuung.

Dabei war der 41-Jährige nach einem mageren Rookie-Jahr vergangenen April nur als Außenseiter in seine zweite Saison gestartet. Sieben Monate später machte Arch in Westaustralien den Überraschungs-Coup vorzeitig perfekt. "Das hätte ich am Saisonbeginn nicht gedacht. Erst als Bonhomme im September beim Rennen in Portugal seinen Riesenfehler machte, habe ich erstmals an einen Titelgewinn gedacht", gestand der Weltmeister. "Die zwei Monate zwischen Porto und Perth waren nervenaufreibend. Es fühlt sich nun umso besser an, in einer Sportart der Beste zu sein."

Bonhomme gratulierte dem Steirer sogar schon nach dem ersten Qualifikationslauf, den Arch noch als Zweitschnellster hinter dem Briten beendet hatte. "Es war aber aufgrund meiner guten Zeit klar, dass mich keine acht Gegner mehr überholen", erläuterte Arch, warum er im zweiten Lauf vor 35.000 Zuschauern wie entfesselt flog und mit 1:14,05 Min. über dem Swan River Streckenrekord aufstellte. Am Sonntag werden 300.000 Zuschauer erwartet.

"Als Weltmeister fliegen hat Spaß gemacht!"
"Der monatelange Druck und die Riesenanspannung waren plötzlich weg", erklärte Arch seine Performance. "Erstmals als Weltmeister zu fliegen, hat Riesenspaß gemacht", schwärmte der Kosmopolit aus der Obersteiermark, in dessen Hangar sich am Vormittag neben tausenden Zuschauern auch die australische Hollywood-Schauspielerin Melissa George ("Mulholland Drive") eingefunden hatte. Nach der Landung mit seiner Edge 540 feierte der Nachfolger des US-Amerikaners Mike Mangold mit einem "Burnout" auf dem Rasen des zum Flugfeld umgewandelten Langley-Parks.

"Wirklich gefeiert wird aber erst am Sonntag", kehrte der in Salzburg lebende Weltmeister aus Trofaiach trotz aller Emotionen gleich wieder den Profi hervor. Es geht um den Sieg im achten und letzten Saisonrennen. "Es wäre schön, wenn ich im Finale gegen Paul fliegen könnte. Ich werde jedenfalls nochmals alles geben und freue mich schon darauf, nächstes Jahr meinen Titel zu verteidigen", sagte Arch.

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