Für einen Paketzustelldienst fährt Peter M. nachts von Wien nach Klagenfurt und retour - jedesmal 650 Kilometer, und das bereits seit 20 Jahren. Mit einem Geisterfahrer hatte er es schon einmal zu tun, 1996 in der Nähe von Wien: "Der ist mit dem Auto gegen den Laster gestoßen, aber unverletzt geblieben."
Peter M.: "Ich wollte nur eins - meinen Sohn anrufen"
Das jedoch, was Donnerstag um 20.20 Uhr auf der S6 bei Mürzzuschlag geschah, kann der Wiener - wenn überhaupt - nur mit psychologischer Hilfe aufarbeiten: "Plötzlich sind zwei Scheinwerfer auf mich zugeschossen. Ich bin in die Bremse gestiegen und hab geschrien: ,Naaaaaaa. Dann hat's gekracht. So nach 50 Metern bin ich stehengeblieben und hab im Schock erst gar nichts begriffen: dass ich verletzt war und einen blauen Renault Clio überrollt habe. Ich wollte nur eins: meinen Sohn anrufen."
Silvan M. (26): "Ich bin natürlich sofort in die Steiermark zu meinem Vater gefahren. Klar, dass er mich gebraucht hat." Peter M. erlitt Serienrippenbrüche. Im Auto starb ein 40-jähriger Obersteirer. Der Mann war psychisch krank, besaß deswegen schon seit Monaten keinen Führerschein mehr, hatte mehrere Male aus heiterem Himmel Angehörige bedroht. Abends weigerte er sich, seine Tabletten zu schlucken, stattdessen drohte er seiner verzweifelten Ehefrau: "Ich fahre jetzt mit dem Auto gegen einen Lkw und bringe mich um."
In seiner Verzweiflung machte der Familienvater (die Tochter ist zwei) Ernst. Über die Abfahrt Langenwang gelangte er auf die S6, war vier Kilometer als Geisterfahrer unterwegs. Dann sah er den Lkw auf sich zuommen - und steuerte voll darauf zu...
von Manfred Niederl, "Steirerkrone"
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