Erhöhte Blutfettwerte zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Besonders das sogenannte LDL-Cholesterin spielt bei der Entstehung von Gefäßverkalkungen eine zentrale Rolle. Moderne Leitlinien empfehlen deshalb, erhöhte Cholesterinwerte frühzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln. Ziel ist es, Schäden an den Blutgefäßen möglichst früh zu verhindern und das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen langfristig zu senken.
Unter Lipidmanagement versteht man die Diagnose, Kontrolle und Behandlung erhöhter Blutfettwerte. Dazu gehören vor allem Cholesterin und Triglyzeride. Besonders wichtig ist das LDL-Cholesterin („Low Density Lipoprotein“), das häufig als „schlechtes Cholesterin“ bezeichnet wird. Ist der LDL-Wert dauerhaft erhöht, lagern sich Fettpartikel in den Gefäßwänden ab. Dadurch entstehen sogenannte atherosklerotische Plaques, also Gefäßablagerungen, die die Blutgefäße verengen und verhärten können.
Diese Veränderungen entwickeln sich oft über viele Jahre oder Jahrzehnte. Häufig verursachen sie zunächst keine Beschwerden. Erst später kann es zu Angina pectoris oder Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen, etwa in den Beinen kommen. Deshalb gilt: Je früher erhöhte Cholesterinwerte erkannt und behandelt werden, desto besser lässt sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.
Von Primärprävention spricht man, wenn Erkrankungen verhindert werden sollen, bevor bereits ein Herzinfarkt oder Schlaganfall aufgetreten ist. Heute weiß man, dass die gesamte Lebenszeit mit erhöhtem LDL-Cholesterin entscheidend dafür ist, wie stark sich Gefäßverkalkungen entwickeln.
Studien zeigen, dass Menschen mit früh behandelten erhöhten Cholesterinwerten später deutlich seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln. Wird die Behandlung rechtzeitig begonnen, kann das Risiko ähnlich niedrig bleiben wie bei Personen mit normalen Cholesterinwerten.
Deshalb empfehlen Fachgesellschaften mittlerweile, erhöhte LDL-Werte unabhängig vom Alter ernst zu nehmen. Auch bei Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen können erhöhte Cholesterinwerte behandlungsbedürftig sein, insbesondere wenn familiäre Belastungen vorliegen.
LDL-Cholesterin gilt als zentraler Risikofaktor für die Entstehung von Atherosklerose. Ohne erhöhte LDL-Werte entstehen Gefäßablagerungen deutlich seltener. Zusätzlich beeinflussen aber auch andere Faktoren das Risiko, darunter:
• Rauchen
• Bluthochdruck
• Diabetes mellitus
• Adipositas (starkes Übergewicht)
• Bewegungsmangel
• chronische Entzündungen
• obstruktive Schlafapnoe
Je mehr Risikofaktoren zusammentreffen, desto wichtiger ist eine konsequente Senkung des LDL-Cholesterins. Moderne Leitlinien orientieren sich daher nicht nur am Cholesterinwert allein, sondern am individuellen Gesamtrisiko.
Die aktuellen europäischen Leitlinien empfehlen unterschiedliche LDL-Zielwerte abhängig vom persönlichen Risiko. Menschen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder mehreren Risikofaktoren benötigen meist deutlich niedrigere LDL-Werte als gesunde Personen. Für Menschen ohne Vorerkrankungen und Risikofaktoren liegt der LDL-Zielwert unter 116 mg/dl, während bei mittlerem Risiko ein Wert unter 100 mg/dl angestrebt werden sollte. Bei hohen bzw. sehr hohem Risiko werden heute LDL-Werte unter 70 bzw. 55 mg/dl empfohlen. Bei extrem hohem Risiko, etwa nach wiederholten Herzinfarkten oder bei Erkrankungen mehrerer Gefäßbereiche, liegt der Zielwert sogar unter 40 mg/dl. Ihr:e Ärzt:in kann mithilfe eines einfachen Rechners Ihr individuelles Risiko und damit Ihren Zielwert bestimmen.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Kenntnis des Cholesterinwertes, sondern auch die konsequente Behandlung bis zum Erreichen des individuellen Zielbereichs.
Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist ein spezieller Blutfettwert, der genetisch vererbt wird. Er kann durch Ernährung, Sport oder Lebensstil kaum beeinflusst werden. Ein erhöhter Lp(a)-Wert erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Gefäßerkrankungen deutlich.
Da sich der Wert im Laufe des Lebens kaum verändert, reicht meist eine einmalige Messung. Besonders bei familiärer Vorbelastung oder frühen Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann eine Bestimmung sinnvoll sein.
Derzeit gibt es noch keine breit verfügbare Standardtherapie zur gezielten Senkung von Lp(a). Neue Medikamente befinden sich jedoch in Entwicklung und zeigen in Studien bereits vielversprechende Ergebnisse.
Die Behandlung beginnt immer mit Lebensstilmaßnahmen. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Rauchstopp und Gewichtsreduktion. Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder besteht ein hohes Risiko, kommen Medikamente zum Einsatz.
Die wichtigsten Medikamente sind Statine. Sie senken das LDL-Cholesterin besonders wirksam und reduzieren nachweislich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Hochwirksame Statine wie Rosuvastatin oder Atorvastatin gelten heute als Standardtherapie.
Die meisten Menschen vertragen Statine gut. Muskelbeschwerden kommen unter Statinen zwar vor, sind aber meist mild und oft nicht durch das Statin selbst verursacht; in Studien hatten Menschen mit Placebo fast genauso häufig Muskelschmerzen wie Menschen mit Statin.
Schwere Muskelschäden wie Myositis (Muskelentzündung) oder Rhabdomyolyse (Zerfall von Muskelgewebe) sind sehr selten, und der Nutzen einer Statintherapie zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall ist für gefährdete Menschen in der Regel deutlich größer als dieses Risiko.
Das Mittel Ezetimib hemmt die Cholesterinaufnahme im Darm und wird häufig mit Statinen kombiniert. Besonders Menschen mit Diabetes profitieren oft von dieser Kombination.
Eine weitere Möglichkeit ist Bempedoinsäure. Dieses Medikament wirkt in der Leber und verursacht daher meist keine typischen statinbedingten Muskelschmerzen. Allerdings kann die Harnsäure ansteigen, weshalb bei Menschen mit Gicht Vorsicht notwendig ist.
Wenn trotz Tabletten keine ausreichende Senkung erreicht wird, stehen moderne injizierbare Therapien zur Verfügung. Dazu zählen sogenannte PCSK9-Hemmer und Inclisiran. Diese Medikamente können das LDL-Cholesterin sehr stark senken und werden vor allem bei hohem oder sehr hohem Risiko eingesetzt.
Triglyzeride sind weitere Blutfette, die ebenfalls das Herz-Kreislauf-Risiko beeinflussen können. Besonders hohe Werte treten häufig bei Übergewicht, Diabetes, Alkoholüberkonsum oder ungünstiger Ernährung auf.
Im Gegensatz zum LDL-Cholesterin ist der Zusammenhang zwischen Triglyzeriden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen komplexer. Deshalb steht zunächst meist die Senkung des LDL-Cholesterins im Vordergrund.
Sehr hohe Triglyzeridwerte über 500 mg/dl können jedoch das Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöhen. In solchen Fällen können spezielle Medikamente wie Fibrate eingesetzt werden.
Bestimmte Omega-3-Fettsäuren wie Icosapent-Ethyl können bei ausgewählten Patient:innen zusätzlich helfen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Herkömmliche Fischölpräparate zeigen hingegen keinen klaren Nutzen für die Herzgesundheit und können bei manchen Menschen das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen, weshalb diese nicht empfohlen sind.
Ein gesunder Lebensstil bleibt ein zentraler Bestandteil jeder Behandlung. Besonders hilfreich sind:
• regelmäßige Bewegung
• Mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und pflanzlichen Ölen
• weniger stark verarbeitete Lebensmittel
• Verzicht auf Rauchen
• Gewichtsreduktion bei Übergewicht
• mäßiger Alkoholkonsum
Lebensstilmaßnahmen können die Wirkung von Medikamenten unterstützen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusätzlich senken.
Erhöhte Cholesterinwerte verursachen oft lange keine Beschwerden. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig, besonders bei familiärer Vorbelastung oder anderen Risikofaktoren.
Ärztlicher Rat ist besonders wichtig bei:
• frühen Herzinfarkten oder Schlaganfällen in der Familie
• bekannt erhöhten Cholesterinwerten
• Diabetes oder Bluthochdruck
• Brustschmerzen oder Atemnot
• plötzlichen neurologischen Beschwerden wie Sprach- oder Sehproblemen
• starken Muskelbeschwerden unter Statintherapie
• sehr hohen Triglyzeridwerten
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann helfen, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam zu verhindern.