Husten, Halsweh, rinnende Nase dazu oft Fieber mit Kopf- und Gliederschmerzen – eine Erkältung ist zwar meist harmlos, aber so unangenehm, dass wir kaum etwas mit uns anfangen können. Und das macht auch durchaus Sinn: Wer unter einer viralen Atemwegserkrankung leidet, sollte das Bett hüten und sein Immunsystem nicht bei der Arbeit stören. Wie Sie sich selbst helfen können und wann Sie zum Hausarzt gehen sollten, lesen Sie im Folgenden.
Die Erkältungskrankheit, kurz „Erkältung“ oder auch grippaler Infekt genannt, kann durch eine Vielzahl von Viren, ausgelöst werden. Etwa 200 verschiedene Arten und Unterarten von Viren kommen dabei in Frage, häufig handelt es sich um so genannte Rhinoviren. Die Erkältungsviren vermehren sich in den Schleimhäuten der oberen Atemwege und führen zu den typischen Beschwerden, wie Schnupfen, Halsweh oder Husten.
Die zumeist eher milden Beschwerden werden nicht von den Viren selbst ausgelöst, sondern entstehen, weil unser Körper die Viren bekämpfen und wieder loswerden will: Fieber hilft dem Immunsystem bei der Bekämpfung der Viren, Schnupfen und Husten sind die Folge der Schleimbildung, über die die Keime aus dem Körper befördert werden sollen. Auch durch die Entzündung im Rachenbereich können Abwehrzellen besser zum Ort des Geschehens gebracht werden – aber sie fühlt sich halt alles andere als gut an.
Die Übertragung von Erkältungs-Viren kann über drei Mechanismen geschehen:
Zur Erinnerung (siehe oben): Die Beschwerden bei einer Erkältung stehen nicht so sehr mit den Viren selbst, sondern hauptsächlich mit der Bekämpfung der Viren durch unseren Körper in Zusammenhang. Was sich also so schlecht anfühlt–der Schnupfen, der Husten und das Fieber–ist sehr häufig sinnvoll, um die Viren wieder loszuwerden.
Typische Symptome bei Erkältung sind:
Die wichtigste Rolle in der Behandlung einer Erkältung spielen Sie selbst. Geben Sie Ihrem Immunsystem die Chance, die Viren so rasch wie möglich wieder loszuwerden, indem Sie sich körperlich und auch geistig (!) schonen, ausreichend trinken und mäßig Essen.
Zu Ihrer Hausärztinsollten Sie auf jeden Fall gehen, wenn Sie starke Beschwerden und hohes Fieber haben, wenn Atemnot auftritt, wenn es nach Besserung wieder schlimmer wird oder wenn die Erkrankung länger als 10-14 Tage andauert. Ihre Hausärztin wird Sie nach Ihren Beschwerden fragen, eventuell Ihre Lunge abhören und Ihren Rachen und Ihre Ohren inspizieren. Nach der Untersuchung und dem Gespräch mit Ihnen wird sie abschätzen, ob Sie eine über die Linderung der Beschwerden hinausgehende Behandlung benötigen.
Ihre Apotheke kann Sie ausführlich beraten, wenn es um den Einsatz von rezeptfreien Medikamenten, pflanzlichen Heilmitteln, Vitaminen und Spurenelementen oder Probiotika geht. In der Apotheke bekommen Sie auch eine Beratung zum richtigen Einsatz der vor Arzt verschriebenen Medikamente.
Wenn Ihre Hausärztin bei der Untersuchung Hinweise auf einen schweren Verlauf und Komplikationen, wie eine Lungenentzündung findet, kann er Sie zu einer stationären Behandlung im Spital überweisen. Dies ist vor allem bei älteren Personen und Patienten und Patientinnen in schlechtem Allgemeinzustand geboten.
Ob und falls ja, welche Medikamente zum Einsatz kommen hängt, davon ab, wie ausgeprägt die Beschwerden sind:
Leichte Beschwerden erfordern häufig gar keine medikamentöse Behandlung. Wenn Sie aber merken, dass die Beschwerden stärker werden oder länger als die üblichen ein bis zwei Wochen andauern, gehen Sie bitte zum Hausarzt.
Moderate bis starke Beschwerden können durch eine Reihe von Medikamenten gelindert werden. Ich habe im Folgenden für Sie zusammengestellt, was es alles an Behandlungsmöglichkeiten gibt und wie gut ihre Wirksamkeit aufgrund von wissenschaftlichen Studien belegt ist. Welche Medikamente am besten zum Einsatz kommen, hängt natürlich auch davon ab, welche Beschwerden das jeweils sind.
Schmerzmittel: Sowohl der Wirkstoff Paracetamol (zum Beispiel enthalten in Mexalen©) als auch Wirkstoffe aus der Gruppe der NSAR (die Abkürzung steht für den leider etwas komplizierten Ausdruck „Nicht-steroidale Antirheumatika“), wie das häufig eingesetzte Ibuprofen (enthalten zum Beispiel in Nurofen©) können Beschwerden, wie Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber, Hals- und Ohrenweh lindern. Diese Mittel können, wie alle Medikamente Nebenwirkungen haben. Menschen mit chronischen Krankheiten sollten dahermit ihrem Hausarzt bzw. ihrer Hausärztin besprechen, ob und falls ja welche Schmerzmittel sie im Bedarfsfall wie oft und wie lange nehmen können.
Rezeptfreie Kombinationspräparate: Es gibt eine ganze Reihe von Präparaten, bei denen Schmerzmittel, wie Paracetamol oder Ibuprofen mit einem Wirkstoff zum Abschwellen der Schleimhäute der Nase und Nebenhöhlen kombiniert werden. Wissenschaftliche Studien zeigen eine positive, allerdings nicht sehr ausgeprägte Wirkung auf die Erkältungssymptome bei Erwachsenen und älteren Kindern, nicht jedoch bei jüngeren Kindern. Generell müssen diese moderaten positiven Effekte gegen die möglichen Nebenwirkungen der enthaltenen Wirkstoffe aufgewogen werden.
Einen Überblick zu rezeptfreien Kombinationspräparaten bei Erkältung finden Sie hier:
Abschwellende Nasentropfen und Nasensprays: Diese Medikamente können eine verstopfte und rinnende Nase wieder frei machen und so vor allem in der Nacht dafür sorgen, dass man genug Luft bekommt. Allerdings ist Vorsicht geboten. Die Schleimhäute haben es nämlich gar nicht so gern, wenn man sie trockenlegt und reagieren häufig nach dem Absetzen der Nasentropfen mit chronisch rinnender Nase. Man spricht dann von Rhinitis medicamentosa, also von einer durch die Medikamente verursachten Entzündung der Nasenschleimhaut. Manche Patienten reagieren auch mit Nasenbluten, Schlafstörungen und hohem Blutdruck. Die Empfehlungen für den maximalen Einsatz abschwellender Nasentropfen liegen daher bei einer Woche, um auf der sicheren Seite zu sein, wären sogar maximal drei Tage zu empfehlen.
Antibiotika: Bei einfachen viralen Infekten der oberen Atemwege, also bei Erkältungskrankheit bringen Antibiotika Studien zufolge mehr Schaden als Nutzen. Sie haben keinen Einfluss auf die Beschwerden, können aber jede Menge Nebenwirkungen verursachen.
Diese Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Empfehlung dar. Ihre Ärztin oder Apothekerin kann Sie bei der Auswahl des für Sie geeigneten Präparates beraten.
Wichtig: Vor allem Personen mit chronischen Gesundheitsproblemen sollten vor der Einnahme dieser Präparate mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt sprechen!
Knoblauch: Es gibt eine Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass Knoblauch in der Vorbeugung und Behandlung der Erkältung einen positiven Effekt hat. Eine einzelne Studie ist zwar etwas wenig, aber dennoch: vorsichtige Empfehlung! Allerdings ist zu bedenken, dass Knoblauch, in purer Form konsumiert, zu Magenweh führen kann. Die generelle Verträglichkeit dieses Hausmittels ist individuell sehr unterschiedlich.
Honig: Honig erfreut sich in reiner oder verarbeiteter Form großer Beliebtheit als Hausmittel bei Erkältungskrankheiten. Aber wirkt er auch tatsächlich? Wissenschaftlich betrachtet kann man das derzeit leider nicht beurteilen. Eine Auswertung der Studien zu diesem Thema ergab nämlich keine starken Hinweise auf einen positiven Effekt.
Wichtig: Babys und Kinder unter 1 Jahr sollten keinen Honig bekommen, auch nicht als Süßungsmittel oder aufgetragen auf Brustwarze oder Schnuller! Durch Infektion mit dem Bakteriengift Botulinumtoxin kann es zu einer lebensgefährlichen Erkrankung namens Säuglingsbotulismus kommen.
Vitamin C: Man kann drüber streiten, ob Vitamin C zu den Hausmitteln oder zu den Arzneimitteln gehört. Es ist jedenfalls ein absoluter Klassiker unter den Maßnahmen gegen Erkältungen. Wenn man sich alle Studien anschaut, zeigt sich bei Menschen, die regelmäßig Vitamin C einnehmen (mindestens 200mg am Tag, also doch eher ein Arzneimittel) eine achtprozentige Verkürzung der Erkrankungsdauer–nicht viel aber auch nicht nix. Ist man aber bereits erkrankt, hilft die Einnahme von Vitamin C eher nicht gegen die Dauer und Schwere der Symptome.
Die Schleimhaut in Nase und Mund ist die erste Barriere gegen krankmachende Keime, die uns über die Atmung aus der Luft erreichen. Deshalb muss diese gesund erhalten werden. Etwa 800 Bakterienarten enthält das Mikrobiom. Dieser Biofilm ist nicht nur wichtig für die Zahngesundheit, sondern auch für die Immunabwehr. Gerät er aus dem Gleichgewicht, etwa durch falsche Ernährung oder schlechte Mundhygiene, besteht die Gefahr, dass Viren leichter in den ganzen Körper vordringen können. Das kann grippale Infekte begünstigen.
Doz. Dr. Wolfgang Luxenberger
HNO-Arzt in der Steiermark