Fr, 26. April 2019
27.12.2017 09:18

Keine Entwarnung

Felssturz: "Ich dachte, die Welt geht unter!"

Es ist wahrlich ein Weihnachtswunder, dass es keine Verletzten oder gar Tote gab! Ausgerechnet am Heiligen Abend lösten sich in Vals im Wipptal bei einer Felswand tonnenschwere Gesteinsmassen - die darunterliegende Straße wurde meterhoch verschüttet. 150 Bewohner waren bis gestern von der Außenwelt abgeschnitten.

Das Ausmaß ist gewaltig, die Gefahr noch lange nicht gebannt. Der Berg kommt nicht zur Ruhe, ständig donnern kleinere und größere Felsbrocken mit einem Höllentempo ins Tal. Die Stimmung: fast schon gespenstisch, der Schock steckt vielen Bewohnern des Valsertals noch in den Gliedern. "Ich dachte, die Welt geht unter", erzählt einer davon.

Was war geschehen? Am Heiligen Abend, kurz vor 18.30 Uhr, kam es in Vals im Bereich Wiesle zu einem gewaltigen Felssturz. Die direkt darunterliegende Landesstraße wurde auf einer Länge von 150 Metern komplett verschüttet. 14 Häuser mussten sofort evakuiert werden, an die 50 Bewohner waren betroffen. Weitere 150 Personen waren im Talinneren von der restlichen Außenwelt abgeschnitten.

"Es war ein gigantischer Felssturz. Im Dunkeln war das Ausmaß zunächst noch gar nicht erkennbar", schildert Landesgeologe Gunther Heißel seine ersten Eindrücke vom Weihnachtsabend.

"Ein Weihnachtswunder"

Die gewaltige Dimension wurde den Experten und auch den Anrainern erst bei Tageslicht bewusst - und, dass das gesamte Tal wohl nur haarscharf an einer Tragödie vorbeigeschrammt ist. Denn nur wenige Minuten vor dem Unglück hatten mehrere Kinder mit ihren Eltern die Absturzstelle passiert - sie waren auf dem Nachhauseweg von der Kinder-Christmette. Dass es keine Verletzten oder gar Tote gegeben hat, ist wahrlich ein Weihnachtswunder - davon sind alle überzeugt, von den Bewohnern im Tal bis hin zu Landeshauptmann Günther Platter.

Entwarnung gibt es wohl noch lange nicht. Laut Heißel hätten sich in der betroffenen Wand neue Risse gebildet. Zudem hätten sich bereits bestehende Spalten vergrößert. "Es muss also jederzeit mit kleineren oder größeren Felsstürzen gerechnet werden", warnt der Experte. An Aufräumarbeiten sei noch nicht zu denken.

Notweg für Anrainer

Dafür wurde am Dienstag auf der anderen Talseite fleißig geschuftet. "Mit zwölf Lkw-Fuhren Schotter wurden ein Feldweg und in weiterer Folge eine Forststraße soweit befestigt, dass auch Pkw darauf fahren können" betont Bürgermeister Klaus Ungerank. Damit waren abends zumindest die 150 Eingeschlossenen wieder "frei".

Sorgenfalten bereitet aber die Lawinengefahr, die auf dieser Hangseite herrscht. Diese müsse nun Tag für Tag neu beurteilt werden.

Laut Heißel stehe die Felswand schon länger unter Beobachtung. Dass ein Felssturz dort solche Ausmaße annimmt, "damit konnte keiner rechnen".

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Interview: "Weihnachten war ein Totalausfall"

Feuerwehrmann Mathias Fidler - selbst Betroffener von der Evakuierung - über den Heiligen Abend, den er wohl nie vergessen wird.

Herr Fidler, wie haben Sie den gewaltigen Felssturz wahrgenommen?
Zuerst überhaupt nicht. Ich dachte zunächst, dass ein Schneepflug bei meinem Haus vorbeigerauscht ist. Erst als die Sirene und der Piepser losgegangen sind, wurde mir bewusst, dass etwas Gröberes passiert sein muss.

Sie als Feuerwehrmann waren hautnah beim Einsatz und den Evakuierungsmaßnahmen dabei. Schildern Sie bitte die ersten Momente.
Ich war erst wenige Minuten zu Hause. Auch ich war mit meiner kleinen Tochter bei der Kindermette. Danach ging alles ganz schnell. Wir sperrten sofort die Straße. Zuvor hatte schon ein Nachbar darauf geachtet, dass kein Auto in die Nähe der Absturzstelle fährt. In der Dunkelheit war das gewaltige Ausmaß erst gar nicht zu erkennen. Die Evakuierung lief dann völlig problemlos. Auch mein Haus und das meiner Eltern waren davon betroffen.

Wie geht es Ihnen nach diesem Ereignis?
Weihnachten ist heuer leider komplett ausgefallen. Die Geschenke liegen alle noch verpackt unterm Christbaum. Meine Freundin und Tochter übernachteten bei meinen Schwiegereltern. Ich habe in der Nacht auf Dienstag das erste Mal wieder ein bisschen geschlafen - aber nicht sonderlich gut. Nach so einem furchteinflößenden Ereignis ist schon eine gewisse Unsicherheit da.

Hubert Rauth, Kronen Zeitung

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