Do, 21. Juni 2018

Unterricht

22.11.2017 16:10

Uralter Erlass macht den Lehrern Schulsport schwer

Schulgeldfreiheit. Das heißt in Österreich, dass der Regelunterricht den Eltern nichts kosten darf. Eigentlich eine gute Idee, aber weil in Wien eine Klage durchging, sind die Lehrer und Eltern in Salzburg jetzt verunsichert. Es geht um Eintritte für Museen aber auch Schwimmbäder und Skifahren statt Turnen.

Der Erlass stammt noch aus den 1970er-Jahren, bisher wurde er eher österreichisch geregelt: Die Eltern haben trotzdem einen Beitrag für den Sport im Unterricht - Schwimmbad, Eislaufen, Skifahren - geleistet, fertig. Dagegen haben Eltern in Wien geklagt - und recht bekommen. "Das hat den Anstoß gegeben, dass die Schulgeldfreiheit auch in den anderen Bundesländern wieder zum Thema wurde", weiß Robert Tschaut, Landesschulrat für Salzburg. Er sagt: "Ich finde es mühsam für die Betroffenen, aber unsere Schulen sind sehr kreativ und finden Wege, dennoch mit den Kindern etwas zu unternehmen." "Umwege" sind zum Beispiel eine Finanzierung über den Elternverein oder die Kommunen springen ein. So geschehen in Bischofshofen, wo die "Krone" Bürgermeister Hansjörg Obinger erreicht hat. "Natürlich haben wir ein starkes Interesse daran, dass unsere Kinder Schwimmen und Skifahren gehen. Um es für die Eltern kostenlos zu machen, investieren wir jetzt 60.000 Euro pro Jahr. Den größten Brocken macht der Transport aus, das nächste Schwimmbad ist in Golling, zum Skifahren geht es für viele Schüler nach Mühlbach", sagt der Stadtchef. Lifttickets seien aber eher kein Problem, die Skigebiete kämen den Schulen mehr als entgegen, sind bemüht, dass dem Wintersport der Nachwuchs nicht ausgeht.

Tägliche Turnstunde, aber bitte drinnen
Skigebiete, Kommunen, Elternvereine - alle helfen zusammen. "Nicht falsch verstehen - das Prinzip, dass jeder die gleichen Möglichkeiten hat, ist gut. Aber die Beiträge für die Familien wären sehr gering, für uns summieren sie sich", betont Obinger. Fest steht: Salzburgs Kinder bewegen sich zu wenig, der Ruf nach der täglichen Turnstunde ist laut. Verbringen sollten sie sie aber idealerweise drinnen, alles andere kostet - und das verbietet Wien. Das bremst Lehrer, die mit Engagement den Schülern unter anderem den Nationalsport Skifahren näher bringen wollen.

Melanie Hutter, Kronen Zeitung

Interview: Immer noch mehr Hürden! - Salzburgs Skipräsident Bartl Gensbichler sieht den Schulsport in Gefahr, versteht die Eltern, aber…

Ist das eine weitere Hürde, dass die Schulkinder Sport betreiben?
So sehe ich es. Auf der einen Seite regen wir uns auf, dass sich die Kinder zu wenig bewegen, gleichzeitig machen wir es den Lehrern noch schwerer.

Verstehen Sie die Eltern auch?
Ja, natürlich. Aber es kann nicht alles gratis sein. Es ist doch eigentlich unbezahlbar, wenn die Kinder Freude am Sport haben.

Was wäre Ihr Lösungsansatz?
Die Gemeinden werden irgendwann sagen, dass sie nicht alles abfedern können. Die Elternverein haben wenig Geld zur Verfügung. Wir vom Skiverband wünschen uns, dass Kinder in Salzburg im Rahmen des Unterrichts überall gratis fahren. Vielerorts ist das schon so, aber flächendeckend wäre super.

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