Mi, 20. Juni 2018

Dachstein-Schutzhaus

29.09.2017 10:14

Auf der höchsten Baustelle Österreichs

Via Hubschrauber zum Arbeitsplatz, Sonne und Wind ausgesetzt, Schwindelfreiheit ist Pflicht: Unter extremsten Bedingungen wird am Dachstein, dem höchsten Berg der Steiermark, ein neues Schutzhaus gebaut. Im nächsten Jahr soll sie fertig sein. Die "Krone" war auf fast 2800 Meter Seehöhe.

Via Hubschrauber zum Arbeitsplatz, Sonne und Wind ausgesetzt, Schwindelfreiheit ist Pflicht: Unter extremsten Bedingungen wird am Dachstein ein neues Schutzhaus gebaut.Der Mischwagen ist bestellt, der Tanklaster steht bereit, nur der Star der penibel konzertierten Aktion lässt noch auf sich warten. "Der Transport-Hubschrauber hängt irgendwo fest, er muss aber jeden Moment kommen", bleibt Richard Goldeband vom Österreichischen Alpenverein ruhig. Noch. Als Projektleiter der aktuell wohl höchsten Baustelle Österreichs gehören gute Nerven zur Grundausstattung: "Das Wetter ist unser größter Gegner. Oft haben wir in der Früh optimales Flugwetter, kurz danach hängen Wolken über dem Gipfel und es stürmt", erzählt der 72-Jährige.

Plötzlich wird es laut. Der Hauptdarsteller hat seinen Auftritt. Die Gesichtszüge der Wartenden entspannen sich. Aber nur kurz: "Keine Chance", winkt Pilot Toni Rainer ab. "Der Wind oben ist einfach viel zu stark". Die Enttäuschung bei Goldeband ist groß: "Jetzt können wir den Beton wegschmeißen und unsere Arbeiter haben morgen nichts zu tun".

Helikopter bringt Beton
Bis zu 850 Kilo können die Spezialisten von "Heli Austria" pro Flug zur Baustelle auf 2740 Meter Höhe hieven. "Das entspricht etwa einem Drittel Kubikmeter Beton. Alleine für die Bodenplatten benötigen wir 15 Kubikmeter", hat Goldeband alle Zahlen im Kopf.

Heute ist es endlich soweit, ideales Flugwetter! Es dauert nur wenige Minuten um vom Fuße des Dachsteins auf dessen Spitze zu gelangen. Aus der Vogelperspektive beeindruckt die Leistung aller Beteiligten noch mehr, zudem wird auch der Grund für den Neubau ersichtlich: "Der Gletscher, auf dem die alte Hütte steht, schmilzt uns einfach unter den Füßen weg", sagt Wilfried Schrempf, seit 17 Jahren mit Leib und Seele Patron der Seetalerhütte.

Genügend Sonnencreme notwendig
In seiner "alten" Hütte beherbergt Schrempf nun nicht nur Wanderer, sondern auch Maurer, Poliere und Installateure. Auch sie alle Spezialisten in Sachen Gebirgsbaustelle: "Die exponierte Lage hat es in sich. Aber mit guter Arbeitskleidung und genügend Sonnencreme geht es", nimmt es das Team locker.

Gebaut darf aufgrund der vielen Auflagen nur noch bis Oktober werden, dann gehört das raue Bergmassiv wieder ganz allein Schneehuhn, Adler und Co.: "Eigentlich wollten wir heuer noch mit dem Rohbau fertig werden, das geht sich aber nicht mehr aus", weiß Goldeband. 2018 soll das 2-Millionen-Euro-Projekt aber abgeschlossen sein. Die bestehende Bettenanzahl (18) will man übrigens nicht vergrößern: "Die Alpen sind ohnehin schon übererschlossen. Es muss nicht immer mehr sein".

Barbara Winkler, Kronen Zeitung

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