Er kann es einfach nicht lassen. Trotz abgebrochenem Studiums gibt sich ein 50-jähriger Familienvater immer wieder als falscher Arzt aus. "Ich hab ja nur unterrichtet", so seine lapidare Ausrede. Am Montag in Graz setzte es dafür zwei Jahre Gefängnis immerhin seine zwölfte Vorstrafe!
"Ich vergesse kein Gesicht", begrüßt Richter Helmut Wlasak den Angeklagten. "Ich hab’ Sie 2012 verurteilt, weil sie sich als Allgemeinmediziner ausgegeben." "Wir hatten ihn auch noch einmal bei einer anderen Firma", wirft Staatsanwalt Arnulf Rumpold ein. "Gelernt haben Sie scheinbar aber nichts daraus." Insgesamt elf Vorstrafen kann der gebürtige Oberösterreicher vorweisen, viele davon einschlägig.
Anatomische Grundlagen unterrichtet
Diesmal hat er als Herr Doktor von 2013 bis 2016 medizinische Kurse für Tätowieren und Piercen gegeben. Anatomische Grundlagen hat er den Teilnehmern dabei u. a. beigebracht. Dafür unterzeichnete er Honorarnoten natürlich mit seinem Doktortitel.
Betrüger mit Fußfessel
"Als Sie die erste Honorarnote unterschrieben haben, hatten Sie noch die Fußfessel", wirft ihm der Ankläger vor. "Ich kann mich nicht erinnern. Ich war nur froh, dass ich überhaupt ein Geld bekommen habe!", meint der 50-Jährige treuherzig.
Das (nicht rechtskräftige) Urteil: zwei Jahre unbedingte Haft und Fußfesselverbot. Seine Ex-Chefin, die wegen ihm enorm an Reputation einbüßen musste, bekam 25.000 Euro Schmerzensgeld.
Eva Stockner, Kronen Zeitung
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