29.09.2016 16:11 |

Für Hinterbliebene

Suizid: "Tiroler Modell" bietet gratis Therapie

Der Suizid geliebter Menschen versetzt die Angehörigen - wie berichtet - in eine jahrelange Schockstarre. Wie sich dieser furchtbare Zustand anfühlt, gaben im Zuge einer Podiumsdiskussion des Tiroler Bündnisses gegen Depressionen am Mittwoch Abend viele mutige Betroffene Preis. Ein Aspekt dabei waren die Behandlungskosten.

Der Saal 1 im Innsbrucker Leokino war brechend voll, ein herzzerreißender Film veranschaulichte gut die Lage von Hinterbliebenen und regte zugleich zum gemeinsamen Nachdenken an.

Emotionale Schilderungen von Hinterbliebenen

Es waren viele Gedanken, die den Betroffenen dabei durch den Kopf schwirrten. "Ich habe meinen Mann und meine Tochter durch Suizid verloren. Das hat mir regelrecht den Boden unter den Füßen weggezogen", schildert eine Frau und ergänzt: "Ich bin nach wie vor wie gelähmt und verspüre Trauer, Unverständnis und Wut. Ich lasse mich therapieren." Und das ist laut der Experten auch wichtig. "Eine Psychotherapie ist zum Beispiel sehr zu empfehlen", erklärt Regina Seibl der Plattform Trauer nach Suizid.

Selbstbehalt bei Wahltherapeuten

Doch wie sieht es mit der Finanzierung aus? "Seit mittlerweile 22 Jahren gibt es das ’Tiroler Modell’, das eine psychotherapeutische Behandlung durch die Mitglieder des Tiroler Landesverbandes für Psychotherapie in freiberuflicher Tätigkeit", sagt Evelyne Walch von der Öffentlichkeitsabteilung der TGKK und ergänzt: "Die Kosten dafür werden zur Gänze von uns übernommen, also ganz ohne Selbstbehalt für die Patienten." Entscheiden sich Hinterbliebene hingegen für einen Wahltherapeuten, wird ein Selbstbehalt verlangt. "Die TGKK übernimmt 21,80 Euro pro Sitzung, die Höhe des Selbstbehaltes obliegt dem jeweiligen Psychotherapeuten", informiert Walch.

"Politik ist gefordert"

Wieviel eine Sitzung im Durchschnitt kostet, lässt sich nur schwer sagen. "Das hängt von der Therapie ab. Außerdem verlangen Analytiker meist einen höheren Honorarsatz", erklärt Seibl. In Anbetracht der Tatsache, dass Hinterbliebene oft Jahre in Behandlung sind, wünsche sie sich mehr finanzielle Hilfe von der Politik. Nähere Infos gibt es bei der Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung Tirols auf der Homepage www.psychotherapie-info.at

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