Den Krebs besiegt

“Statt um Sekunden ging es ums Leben”

Salzburg
18.09.2016 20:47

Für Biathlet Bernhard Leitinger (26) war der Kampf gegen den Krebs sein härtester - jetzt ist er zurück. Und spricht im "Krone"-Talk über veränderte Perspektiven, sein Comeback und wer ihm Rückhalt gibt.

"Krone": Berni, Glückwunsch zum Comeback! Wie fühlt es sich an, wieder als Aktiver dabei zu sein?
Leitinger: Vielen Dank! Es war ein ganz neues, aber tolles Gefühl, als ich bei den Testrennen in Obertilliach am Start stand. Am Schießstand hatte ich Gänsehaut. Für mich ist es ein Wunder, dass ich wieder dabei bin.

"Krone": Du musstest knapp 20 Monate pausieren. Wie hast du die Zeit erlebt?
Leitinger: Ich hatte im Jänner 2015 bei einem Wettkampf zunächst ein Stechen im Bauch, ging davon aus, dass es der Blinddarm ist. Ich wurde operiert, wobei sich herausstellte, dass ich an Lymphdrüsenkrebs erkrankt war.

"Krone": Dein Leben stellte sich grundlegend auf den Kopf?
Leitinger: Das kann man so sagen. Statt um Sekunden ging es plötzlich um mein Leben. Sechs Chemo-Blöcke binnen vier Monaten standen auf dem Programm, ich habe meine Haare verloren, dazu acht Kilogramm binnen zwei Wochen. Spaziergänge waren nach hundert Metern vorbei, weil ich nicht mehr konnte.

"Krone": Deinen Kampfgeist hast du nie verloren?
Leitinger: Nein, niemals! Ich habe es von Beginn an als Wettkampf gesehen. Die Erfolgsaussichten waren gut, daher war ich immer voller Zuversicht. Am schlimmsten war es, meine Eltern leiden zu sehen. Ich habe versucht, sie aufzubauen.

"Krone": Welche Rolle spielte dein Umfeld in dieser schwierigen Zeit?
Leitinger: Eine ganz wichtige. An jedem einzelnen Tag im Krankenhaus hatte ich Besuch - das war Gold wert. Familie, Freunde, aber auch die Polizei und der ÖSV standen immer hinter mir. Dafür bin ich allen sehr dankbar.

"Krone": Während du gegen den Krebs gekämpft hast, traf dich Amors Pfeil?
Leitinger: Ja, das war spannend (lacht). Ich wollte mich auf nichts einlassen, aber Julia (Ex-Juniorenweltmeisterin Schwaiger; Anm.) und ich hatten in dieser Zeit viel Kontakt. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich heute bin.

"Krone": Du konntest in Obertilliach als Achter (Sprint) bzw. Sechster (Verfolgung) überzeugen. Welche Ziele hast du für die neue Saison?
Leitinger: Zunächst kann ich den Winter kaum erwarten. Alles andere als der IBU-Cup wäre vermessen. Natürlich hoffe ich, auch mal in den Weltcup hineinschnuppern zu können. Mein großer Traum sind die Olympischen Spiele 2018 - daran teilzunehmen, wäre der absolute Wahnsinn.

"Krone": Inwieweit hat sich deine Einstellung zum Sport geändert?
Leitinger: Früher empfand ich Halsweh als Katastrophe, weil ich ein paar Tage nicht trainieren konnte. Heute sehe ich alles lockerer. Alles, was noch kommt, ist für mich ein Zuckerl.

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