Fr, 22. Juni 2018

Festival in Lafnitz

16.09.2016 14:01

Auch Musiker brauchen Bilder

Klassiker und faszinierende Raritäten des Genres vereint das "Klang.Bild" Festival im oststeirischen Lafnitz auch heuer zu vier großen Kammermusik-Abenden. Wir sprachen mit dem in der Steiermark stark präsenten Wiener Pianisten Christopher Hinterhuber, der dort jeden Abend hochkarätige Musikerfreunde empfängt.

Herr Hinterhuber, Sie sind heuer zum vierten Mal Programmchef in Lafnitz. Haben Sie eine Linie gefunden?
In Lafnitz gibt es dank des enthusiastischen Organisators Rudolf Wilfinger ein treues Publikum, das aufgeschlossen ist. Eine tolle Ausgangslage, um neben Klassikern immer auch Neues zu probieren. Solche Kombinationen sind am spannendsten, auch für die Musiker.

Harald Haslmayr wird die gewohnt bilderreichen Werkeinführungen geben. Beeinflusst das Ihr Musizieren?
Nicht direkt, weil es zu kurzfristig ist. Aber auch wir Musiker brauchen Bilder, denn ohne Vorstellungskraft kann man keine Musik machen. Technische Analysen und Nacherzählungen braucht kein Mensch.

Zur Eröffnung gibt es einige Raritäten, unter anderem ein Trio von Anton Eberl. Wo haben Sie den ausgegraben?
Bis vor einem Jahr kannte ich Eberl kaum, aber jetzt weiß ich, dass er weit mehr ist als nur ein weiterer Mozart-Zeitgenosse. Das Trio für Klarinette, Cello und Klavier erinnert in seiner Originalität durchaus an Beethovens "Gassenhauer"-Trio. Und mir gefällt der ausufernde Klavierpart.

Apropos Klavierpart: Ihr Spiel wirkt kraftvoll und klar. Wie hat sich das entwickelt?
Ich habe sehr viel Bach gespielt. Da habe ich mir angewöhnt, in mehreren Stimmen zu denken, wofür Deutlichkeit sehr wichtig ist.

Verändert sich Ihr Spiel noch?
Sicher! Mein Klangspektrum hat sich erweitert. So bin ich draufgekommen, dass Hammerklaviere einen leichten Nachhall besitzen. Das bedeutet, dass man Musik von Schubert oder Chopin auf modernen Klavieren mit dezentem Pedal spielen kann, damit die Töne nicht zu scharf abgegrenzt sind.

Die weiteren Tage sind auffallend Schubert-lastig.
Das hängt zum einen damit zusammen, dass Festival-Künstlerin Evelyn Grill eine 24-teilige, großformatige Gemälde-Serie zur "Winterreise" ausstellt. Zum anderen ist Schubert ein Fass ohne Boden, den kann man gar nicht oft genug spielen.

Am letzten Abend spielen Sie im Schubert-Sandwich auch Frederic Rzewski, einen US-Zeitgenossen, der in Ihren Programmen immer wieder auftaucht.
Es ist eine Auftragsarbeit für meine Kollegin Aki Takahashi von 1988. Darin verarbeitet Rzewski einen Song, den John Lennon und Yoko Ono 1969 in einem Hotelzimmer in Montreal aufnahmen: "Give Peace a Chance". Diese Botschaft ist heute so aktuell wie damals.

Alle Infos zum Festival finden Sie hier.

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