Frauen stemmen Beruf, Familie und oft auch Pflegearbeit – doch beim Blick auf die Pension zeigt sich eine unangenehme Realität: Die Lücke ist groß. Drei Viertel der Österreicherinnen und Österreicher zweifeln mittlerweile daran, dass die staatliche Pension später ausreichen wird. Für viele Frauen ist diese Sorge besonders greifbar.
Walter Peer, Landesdirektor der Wiener Städtischen in Tirol: „Die Menschen beobachten sehr genau, wie sich das System entwickelt. Wir werden älter, gleichzeitig finanzieren weniger Erwerbstätige die Pensionen. Das erzeugt Druck“, erklärt er. Für ihn ist klar: „Wer heute vorsorgt, stärkt die eigene Sicherheit von morgen.“
Weniger Einkommen, weniger Pension
Dass Frauen besonders kritisch auf ihre Altersvorsorge blicken, hat handfeste Gründe: In Österreich verdienen sie im Schnitt rund 16 Prozent weniger als Männer. Das wirkt sich direkt auf die spätere Pension aus: „Frauen verdienen weniger, zahlen dadurch weniger ein – und bekommen am Ende rund ein Drittel weniger Pension als Männer. Dazu kommen Teilzeitphasen oder Erwerbsunterbrechungen. Über Jahrzehnte entsteht so diese große Differenz. Private Vorsorge wird damit zur Frage der finanziellen Unabhängigkeit“, so Peer.
Unterschied im Spielraum, nicht im Bewusstsein
Fakt ist: Männer investieren im Schnitt mehr in private Vorsorge als Frauen. Laut Vorsorgestudie 2026 legen Frauen durchschnittlich 179 Euro pro Monat zurück, Männer hingegen 265 Euro.
Für Peer liegt die Ursache nicht im Denken: „Das ist kein Unterschied im Bewusstsein, sondern im finanziellen Spielraum. Wer weniger verdient, kann weniger zur Seite legen.“ Genau deshalb sei es umso wichtiger, frühzeitig mit privater Altersvorsorge zu beginnen – auch mit kleineren Beträgen, aber regelmäßig.
Transparenz als Weckruf
Mit dem Pensionskonto haben viele erstmals schwarz auf weiß gesehen, wie hoch ihre zu erwartende Pension tatsächlich später sein wird. Das sorgt für Verunsicherung – vor allem bei Frauen. „Viele erkennen erst beim genauen Hinsehen, wie groß die Lücke tatsächlich ist. Gerade für Frauen ist das oft ernüchternd“, sagt Peer. Doch er sieht darin auch eine Chance:
„Transparenz ist kein Risiko – sie ist der erste Schritt zur Lösung.“
Walter Peer, Landesdirektor der Wiener Städtischen in Tirol
Wie viel sollte man vorsorgen?
Peer empfiehlt: „Als Richtwert gelten 10 bis 15 Prozent des monatlichen Einkommens für Vorsorge und Absicherung.“ Aber: Entscheidend sei nicht die perfekte Summe, sondern dass überhaupt damit begonnen würde. „Auch kleinere Beträge wirken – wenn sie regelmäßig investiert werden. Zeit ist der stärkste Verbündete – dank Zinseszinseffekt.“
Je nach Lebensphase ergeben sich die passenden Modelle. In jungen Jahren können staatlich geförderte oder kapitalmarktorientierte Lösungen sinnvoll sein. „Schwankungen gleichen sich über lange Zeiträume aus“, sagt Peer. Und weiter: „Mit zunehmendem Alter rückt Sicherheit stärker in den Fokus. Entscheidend ist Flexibilität – Vorsorge muss sich dem Leben anpassen können.“
„Der Partner ist keine verlässliche Altersvorsorge“
Warum starten viele Frauen dennoch spät? Der Landesdirektor sieht einen klaren Grund: „Weil sie oft zuerst an andere denken. Familie, Kinder, Angehörige. Die eigene Absicherung wird verschoben – oder dem Partner überlassen.“
Doch genau hier warnt er eindringlich: „Lebenswege sind nicht planbar. Trennungen oder unerwartete Ereignisse können Sicherheiten rasch verändern. Eine Partnerschaft kann vieles sein – eine verlässliche Altersvorsorge ist sie nicht.“
Ein klarer Appell
Walter Peers Botschaft ist eindeutig: „Nicht warten. Nicht verlassen. Selbst vorsorgen.“ Private Vorsorge sei für Frauen keine Option, sondern eine Grundlage finanzieller Freiheit. Peer abschließend:
„Wer früh beginnt, gewinnt Sicherheit – und das gute Gefühl, eine Sorge weniger zu haben.“
Walter Peer, Landesdirektor der Wiener Städtischen in Tirol
Mit #frausorgtvor setzt die Wiener Städtische einen klaren Schwerpunkt auf die finanzielle Zukunft von Frauen. Die Initiative schafft Bewusstsein für Vorsorgelücken, informiert rund um das Pensionskonto und gibt Orientierung bei der Planung.
Ziel ist es, Frauen zu ermutigen, ihre finanzielle Zukunft aktiv in die Hand zu nehmen - selbstbestimmt, informiert und abgesichert.