

Im Innsbrucker Botanischen Garten liegt Totholz und Reisig, der Rasen ist wild - mit voller Absicht. Eine Ausstellung zeigt, wie sehr Tiere und Pflanzen unkultivierte Ecken brauchen.
„Wer einen vielfältigen und lebendigen Garten will, braucht Mut zur Unordentlichkeit“, weiß Sabine Sladky-Meraner, Mitarbeiterin am Institut für Botanik an der Uni Innsbruck. Die Ausstellung „Ordentlich schlampig“, heuer und nächstes Jahr von Mai bis November im Botanischen Garten in Hötting zu besuchen, informiert, wie man heimischen Wildpflanzen, Insekten, Eidechsen, Fröschen und anderen Kriechtieren eine Lebensgrundlage bieten kann und holt die oft als „ungepflegte G‘stettn“ abgewerteten Ecken vor den Vorhang.
Die Nachbarn lästern vielleicht, wenn der Garten für sie schlampig ausschaut. Tiere freuen sich über naturbelassene Ecken und Blühstreifen aber mehr als über einen perfekten Rasen.

Sabine Sladky-Meraner
Foto: Birbaumer Christof
Eines muss die Biologin klarstellen: „Der kurz getrimmte englische Rasen ist für Tiere nutzlos.“ Besser sei längeres, von Kräutern durchzogenes Gras, gern mit Moos dazwischen, oder im Idealfall eine Blühwiese. Das schütze den Boden außerdem besser vor Austrocknung.
Tiere auf der Suche nach Verstecken
Auch soll man sich nicht davor scheuen, Totholz, Steine oder einen „ordentlich schlampigen Reisighaufen“ liegen zu lassen. „Was vielleicht unaufgeräumt wirkt, ist in Wahrheit blühendes Leben“, betont Sladky-Meraner. Tiere seien verzweifelt auf der Suche nach Verstecken, vor allem in der Stadt. Parks und Grünflächen gehören mittlerweile zum Lebensraum vieler Arten, der Mensch dürfe es ihnen nicht noch schwerer machen zu überleben. Dabei seien private Gartenbesitzer genauso wie städtische Landschaftspfleger aufgerufen, mehr darauf zu schauen.




In Insektenhotels sieht sie keine Lösung. „Ohne Nahrung in der Nähe siedelt sich darin nichts an“, erklärt die Biologin. Deshalb sei es wichtig, heimische Gewächse, die oft als Unkraut verunglimpft werden, gedeihen zu lassen, denn „hinter jeder Pflanze stehen mindestens zehn Tiere, die sie brauchen.“ Die Schönheit liege dann weniger in der Blüte, sondern mehr im Hintergrundwissen. Ein Garten oder Balkon mit bewusst unordentlichen Ecken rette zwar nicht die Welt, sagt Sladky-Meraner, leiste aber einen kleinen Beitrag, der für viele Tierchen einen gewaltigen Unterschied macht.









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