Von Leoben nach Lemberg: Maryana Cherkes und Mihael Rudes, Ärzte am LKH Leoben, brachen in die Ukraine auf, um dort Kinder zu operieren.
Als Maryana Cherkes und Mihael Rudes Anfang September in Leoben in ihr Auto einstiegen, wussten sie, dass diese Reise keine gewöhnliche wird. Vollgepackt mit medizinischer Ausrüstung, Wundverbänden und Skalpellen fuhren die beiden Chirurgen einen ganzen Tag lang, tausend Kilometer weit, durch. „Zum Glück mussten wir an der polnisch-ukrainischen Grenze nicht zu lange warten“, sagt Rudes, seit Sommer HNO-Primarius am LKH. Ihr Ziel: Lwiw im Westen der Ukraine. Ihre Mission: Kindern die dringend benötigte medizinische Hilfe zu bringen.
Erste Ukrainerin mit Zulassung bei Kages
Aber von Beginn an: Als der Krieg im Frühjahr ausbrach, flüchtete Maryana Cherkes mit ihren drei Kindern in die Steiermark. Sie war die erste Ukrainerin, die hier als Medizinerin eine Zulassung bei der Kages erhielt. „Ich fühlte mich schuldig, dass ich als qualifizierte Ärztin nach Österreich kam“, sagt die 35-Jährige in gutem Deutsch.
Gemeinsam mit Mihael Rudes (41) entstand die Idee für eine medizinische Hilfsmission. „Wir hatten wenig Zeit, um uns vorzubereiten. Je später, desto gefährlicher wäre die Mission geworden, weil es kälter wird und weil die Russen immer mehr Infrastruktur zerstören“, sagt Cherkes. Es ging nicht nur um die Sicherheit der beiden Chirurgen, sagt Rudes. „Sondern auch um die Patienten, die Pfleger und alle anderen.“
Voruntersuchungen via Zoom
Und so begannen sie zu planen. „Tatyana Mikhailovna war unsere Helferin vor Ort. Wir mussten alles im Krankenhaus organisieren, die Patienten, die Anästhesisten“, sagt Cherkes. Rudes ergänzt: „Via Zoom hatten wir Besprechungen, Voruntersuchungen, wir brauchten Fotos, CTs und mussten die Patienten auswählen.“
Am 3. September kamen die Ärzte aus Leoben in Lwiw an. Dann standen fünf Tage am OP-Tisch des Kinderkrankenhauses an. Zwölf Patienten konnten operiert werden, vier davon hatten Verletzungen oder Verbrennungen. „In der Ukraine gibt es nicht nur Probleme wegen des Krieges, sondern auch viele andere“, erklärt Cherkes.
Ausrüstung nicht so gut wie in Leoben
Eine Patientin blieb Rudes besonders in Erinnerung. „Eine 17-Jährige, die praktisch keine Nase und eine Gaumenspalte hatte. Als Kind wurde sie schlecht versorgt. Wir haben entschieden, die Funktionalität ihrer Lippe zu verbessern und die Grundlage für einen Nasenaufbau zu schaffen.“
Eine aufwändige und schwierige Operation, zumal die Ausrüstung vor Ort nicht so gut war wie in Leoben. „Aber es ist gut gelaufen, das Mädchen ist glücklich mit dem Ergebnis - das hat mich bewegt.“
Schwierige Mission
Auch einem 9-jährigen Mädchen, das eine Fehlbildung der Ohrmuschel hatte, konnte das steirische Team helfen. „Jetzt hat ihr Ohr fast die gleiche Größe wie das andere - damit war sie sehr glücklich“, sagt Cherkes.
„Es war schön zu sehen, dass eine solche Mission auch in so schwierigen Zeiten möglich ist“, zieht Rudes Bilanz. „Ich bin ja Arzt geworden, um Menschen zu helfen!“
Cherkes sagt, sie verstehe nun, wieso Missionen derartig wichtig sind. Und es wird nicht die letzte gewesen sein. „So viele Menschen haben im Krankenhaus angerufen, wann wir wieder kommen. So viele Ukrainer brauchen dringend Hilfe “
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