02.07.2022 17:00 |

Experte klärt auf

Wo Zecken sind, was sie tun, wie man sich schützt

Vorsicht Zecken! Die kleinen Tierchen sind außerordentlich robust und können gefährliche Krankheiten übertragen. Wer über sie Bescheid weiß, kann Stichen und deren Folgen besser vorbeugen.

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„Zecken finden wir überall - im Laub, im Gras und im Unterholz“, erklärt der Tiroler Infektiologe Gernot Walder. Um sich wohlzufühlen, brauchen sie eine nicht zu dünne Humusschicht, Laub oder niedrigen Pflanzenbewuchs, unter dem sie sich verkriechen können. Trockene Luft mögen sie nicht, beliebt sind etwa bewässerte Wiesen. „Übersteigt der durchschnittliche Tageshöchstwert fünf Grad, werden sie aktiv. Einzelne Exemplare findet man bereits bei Temperaturen von Plus zwei Grad - in begünstigten Lagen sogar bei weitestgehend geschlossener Schneedecke“, weiß Walder.

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Die Risikogebiete verlagerten sich in den letzten Jahren zunehmend talaufwärts beziehungsweise in höhere Hanglagen.

Gernot Walder

Mai und September bzw. Oktober sind ihre Top-Monate. Dass Zecken von Bäumen fallen, ist ein Irrglaube: „Wir finden sie selten höher als einen Meter über dem Boden.“ Springen können sie nicht, vor allem der den Menschen betreffende Gemeine Holzbock ist ein Lauerjäger und wird meist von der Vegetation abgestreift. Andere Arten krabbeln. „Wärme, Kohlendioxid und Schweiß ziehen Zecken an.“ Und was ist mit hohem Gras? „Zecken sind auch, aber nicht überwiegend, in hohem Gras zu finden“, klärt der Experte auf. Autobahnen seien „nicht unbedingt“ Regionen mit vielen Zecken und „selbstverständlich“ könnten sie auch im eigenen Garten oder in öffentlichen Parks herumkrabbeln.

So kann man sich vor Zeckenbissen schützen
Mit langärmeliger Kleidung und gegebenenfalls Insektensprays kann man einen Versuch starten, sich zu schützen. „Es bringt keinen Vorteil, die Hose in die Schuhe zu stecken – das ist weder notwendig noch sinnvoll. Zecken können stundenlang am Körper wandern, bevor sie sich für einen Ort zum Saugen entscheiden“, sagt Walder. Nach einer Tour im Gelände solle man sich genau auf Zecken untersuchen, „besonders unter den Achseln, in den Leisten, Kniekehlen, im Nabel und unter Hautfalten“. Auch am Haaransatz, im Intimbereich und hinter den Ohren solle man nachsehen.

Hat sich eine Zecke schon festgebissen – beim Menschen ist es meist der Gemeine Holzbock – sollte man sie möglichst weit vorne am Kopf mit einer Pinzette oder Zeckenzange entfernen. Klebstoff oder Nagellack erhöhen das Übertragungsrisiko von Krankheiten, auch mit dem Feuerzeug wegbrennen soll man sie nicht! Bleibt ein Teil des Stechwerkzeuges in der Haut verankert – was meist der Fall ist –, kann man zu einer Nadel oder Zugsalbe greifen. Die Wunde desinfizieren, das Tier einschicken und untersuchen lassen. Aus den Ergebnissen folgen weitere Vorgangsweisen, um das Risiko einer Infektion möglichst gering zu halten.

Diese Krankheiten können Zecken übertragen
In Endemiegebieten sind rund 0,1-2 Prozent der Nymphen und adulten Zecken mit FSME infiziert. Sie infizieren sich selbst mit dem Virus, indem sie gleichzeitig mit einer infizierten Zecke an einem „Wirtstier“, etwa einer Maus, saugen. Drei bis 28 Tage nach dem Stich treten meist leichte, grippeartige Symptome auf. Nach einem kurzen, beschwerdefreien Intervall folgt die ernstere Phase. Es kann zu starkem Fieber, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und neurologischen Ausfällen als Zeichen einer Infektion des Zentralen Nervensystems kommen. „Die Erholungsphase dauert Monate, mehr als 10 Prozent der Erkrankten erleiden bleibende Schäden. Ein Prozent der Patienten stirbt“, so Walder. Eine spezifische Therapie ist nicht verfügbar, wohl aber eine vorbeugende Impfung.

Mit Borrelien infizieren sich Zecken entweder durch das Stechen eines infizierten Wirts oder durch das Muttertier. Circa 20 Prozent der Tiroler Zecken tragen das Bakterium in sich, „das Übertragungsrisiko auf den Menschen ist innerhalb der ersten zwölf Stunden gering, ab 36 Stunden hoch“, rechnet der Infektiologe vor. Borrelien können laut Walder fast jedem Organ schaden, in rund 15 bis 20 Prozent der Fälle breiten sie sich von der Stichstelle über den Körper aus. Häufig betroffen sind Haut, Gelenke, Herz und das Zentrale Nervensystem.

Die typische kreisförmige Rötung ist nicht zwingend. Tritt sie auf, dann meist verzögert. Sie wächst über Tage bis Wochen an, bis sie deutlich größer als etwa eine zwei Euro Münze ist. Je früher die Antibiotikagabe erfolgt, desto besser schlägt die Therapie an.

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Mehr als 90 Prozent der Infektionen verlaufen asymptomatisch. Ein geringer Teil der Infektionen verläuft chronisch mit rezidivierenden Fieberschüben, Nachtschweiß und Gewichtsverlust.

Gernot Walder

Circa 5 Prozent der Tiroler Zecken übertragen Humane granulozytäre Anaplasmose, vermutlich von der Saugdauer unabhängig. Walder: „Mehr als 90 Prozent der Infektionen verlaufen asymptomatisch. Ein geringer Teil der Infektionen verläuft chronisch mit rezidivierenden Fieberschüben, Nachtschweiß und Gewichtsverlust.“ Manchmal werde die Erkrankung als beginnender Blutkrebs fehlgedeutet. Therapiert wird mit Antibiotika.

Ähnlich verhält es sich bei der Rickettsiose. Symptome können Ausschlag, Fieber, grippale Symptome, Kopfschmerzen, Hörstörungen, Gefäßentzündungen und eine kreisförmige Rötung sein.

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