24.06.2022 17:30 |

Bergbahnen angeklagt

Invalide nach Arbeitsunfall am Kletterturm

Der Abbau eines Kletterturms im Lungauer Mauterndorf im Herbst 2018 endete für einen Arbeiter (26) mit einer Querschnittslähmung. Betriebsleiter und Bergbahnen entschuldigten sich erstmals nun beim Prozess.

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Er stand jeden Sommer, sieben Jahre lang, auf dem Parkplatz der Großeckbahn der Bergbahnen Lungau in Mauterndorf: der 15 Meter hohe Kletterturm. Jedes Jahr vor der Wintersaison bauten ihn Mitarbeiter der Bergbahnen ab. So auch am 7. November 2018. Doch an diesem tag passierte ein folgenschwerer Arbeitsunfall: Beim Abbau des Kletterturms löste sich eine Querstrebe, die einen Arbeiter (damals 22) im Bereich des Rückens traf. Die Folge: Milzriss und Querschnittslähmung. Bis an sein Lebensende ist der nun 26-Jährige Invalide und auf einen Rollstuhl angewiesen.

Schutzvorschriften laut Gutachten nicht eingehalten 

Der für den Abbau zuständige Betriebsleiter und die Bergbahnen als verantwortlicher Verband sind deswegen von der Staatsanwaltschaft vor den Richter zitiert worden: wegen fahrlässiger Körperverletzung. Weil keine Schutzvorschriften eingehalten wurden. Ein erster Prozess im Bezirksgericht Tamsweg endete mit einem Unzuständigkeitsurteil: Der Richter ortete eine grobe Fahrlässigkeit. Nun, beim Prozess am Freitag im Landesgericht Salzburg, erklärten sich Betriebsleiter und die Bergbahnen-Chefs anfangs für nicht schuldig. Von einer „unglücklichen Verquickung der Umstände“ sprach der Verteidiger.

Geldbuße für Betriebsleiter

„Passt‘s gut auf“, habe er seinen Mitarbeitern gesagt, meinte der Betriebsleiter. Laut Gutachten stand der Kletterturm weder in der Waage, noch gab es eine Überprüfung, eine Unterweisung oder gar Schutzausrüstung. Letztlich gestanden die Angeklagten eine Verletzung der Sorgfaltspflicht ein und bekamen eine Diversion: 2200 Euro Geldbuße muss der Betriebsleiter zahlen, die Bergbahnen kamen mit Probezeit davon. „Erstmals haben sie sich entschuldigt“, sagt Opfer-Anwalt Peter Macheiner.

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