Die politisch prononciert linken Elektropunker "Egotronic" und "Frittenbude" beim "Springfestival" nacheinander zu programmieren, war inhaltlich zwar schlüssig, aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Bands stellte sich aber eher ein Gefühl von Eintönigkeit ein.
In den allerbesten Momenten weckte die Kaltschnäuzigkeit von "Egotronic" noch Erinnerungen an die Zeit der Neuen Deutsche Welle, deren "schnoddrige" Musik die Band zu Elektropunk uminstrumentiert. Allerdings ohne das Raffinement und den intellektuellen Furor damaliger Bands zu erreichen. Eher hölzern, ja bieder, war das, was "Egotronic" bot: "Das nächste Lied ist gegen Rassismus und Antisemitismus", wurde ein Song ankündigt - auch die Linke braucht anscheinend ihre trivialen Bierzeltparolen.
Um Nuancen besser, nachdrücklicher, aber auch nicht übermäßig originell war der Auftritt von "Frittenbude". Welch ein Unterschied zum musikalischen Wahnsinn, den der Hauptact entfesselte: Die 1992 in Berlin gegründete, im letzten Jahr in neuer Besetzung wieder vereinte Hardcore- und Elektropunk-Band "Atari Teenage Riot", benannt nach dem legendären Computer, mit dem sie Teile ihrer Musik generieren, ließ gleich zu Beginn, zur Wiedervereinigungs-Single "Activate", ein Beat- und Stroboskop-Gewitter auf die Zuhörer los. Selbst Nicht-Epileptikern fiel es da schwer, auf den Beinen zu bleiben. Es war der Beginn einer Publikumsvertreibung mit Kultcharakter, bei der am Ende nur noch zwei- bis dreihundert - zum Teil von weit her angereiste - Eingefleischte übrig blieben.
"ATR" entfachte Höllenfeuerwerk
Die aber kamen auf ihre Rechnung. Breakbeat-Salven, wilde Gitarren- und Orgelriffs, peitschende Anarchie-Parolen und Bühnentollerei. Mit vollem Einsatz zelebrierte das Trio von "ATR"-Gründervater Alec Empire seine Kunst, ohne in Sachen Lautstärke oder Aggressivität nennenswerte Veränderungen vorzunehmen. Es war das erwartete Höllenfeuerwerk, das allerdings in den halbleeren Weiten der Halle etwas verpuffte. Auch wenn er in diesem Fall ohne klassische Rock-Combo auskam: Wahrer Punk ist nun einmal kein Kindergeburtstag.
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