Sa, 18. August 2018

Verwahrlosungsfall

28.05.2011 16:57

Nachbarn: "Keiner hat von diesem Grauen gewusst"

Der Verwahrlosungsfall von Sieghartskirchen im Bezirk Tulln erschüttert nicht nur Bürgermeister und Bewohner. Ganz Österreich fragt sich: Wie konnte es passieren, dass eine Pensionistin, die mitten in einem Ort lebt, von Maden befallen wird? Dass sie bei lebendigem Leib zu verwesen beginnt, ohne dass jemand etwas bemerkt?

Für Entsetzen, Betroffenheit aber auch Ärger hat der Fall der 70-jährigen Pensionistin Helga S. gesorgt. Die Frau musste von der Feuerwehr mit Atemschutzgeräten aus ihrer Wohnung geborgen werden. Der Gestank in der Wohnung war so beißend, dass die Helfer des Roten Kreuzes selbst Hilfe brauchten: Die geschwächte Rentnerin lag gewiss seit Tagen, womöglich sogar Wochen in ihrer völlig verwahrlosten Wohnung.

"Mit der Mama ist alles in Ordnung"
Beim Lokalaugenschein am Samstag in dem "Maden-Haus" riecht es stark nach Reinigungsmitteln. Im Gespräch mit Nachbarn zeigt sich, weshalb offenbar niemand etwas von dem Grauen hinter der Holztür bemerkt hat. Denn sooft Pavlo und Ivana P., ein gebürtiges Bosnier-Paar, dem Sohn der Kranken Hilfe anboten, lehnte dieser freundlich ab. "Danke, wir brauchen nichts. Mit der Mama ist alles in Ordnung", soll er gesagt haben.

"Hätten wir etwas geahnt, hätten wir sofort geholfen. Erst im Februar wurde der Frau ein Pflegeplatz angeboten. Doch sie hat abgelehnt", sagt Bezirkshauptmann Riemer. Auch Bürgermeister und Nationalrats-Abgeordneter Johann Höfinger ist fassungslos: "Wo ist nur der Sachwalter geblieben?"

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