27.01.2022 07:15 |

Handhabe schwierig

Ansturm der Deutschen auf Gratis-Tests in Kufstein

Um sich die 58 Euro für einen Corona-Test bei einem niedergelassenen Arzt zu ersparen, fahren viele unserer deutschen Nachbarn über die Grenze zum Testen - etwa nach Kufstein in Tirol. Und gleichzeitig tanken sie dann auch noch billiger und sparen sich sehr viel Geld. Ein „Krone“-Lokalaugenschein.

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Das Bild kennt man seit Monaten landauf und landab zur Genüge und fast jeder von uns war und ist auch ein Teil davon. Dutzende von Autos säuberlich hintereinander geordnet, die sich im Schritttempo zu einer stationären Screeningstation bewegen. So auch in der Tiroler Bezirksstadt Kufstein, deren größte Corona-Teststraße sich in einem Areal befindet, welches sehr günstig gerade für die mit einem Auto aus dem unmittelbaren bayrischen Raum kommenden Personen gelegen ist.

An Wochenenden bis zu 80 Prozent Deutsche
Und gerade dieser Umstand sorgt für Verwunderung und Ärger in der Festungsstadt. So teilt ein älterer Herr der „Tiroler Krone“ das Folgende mit: „Gerade an den Sonntagen stehen bis zu 80 Prozent Autos mit einem deutschen Kennzeichen an. Damit deren Insassen gratis, sprich auf unsere Kosten, einen gültigen PCR-Test erhalten.“ Eine Aussage, welche sich nach einem Lokalaugenschein als richtig erwies.

Aber ob hier nun alle Deutsche, die sich testen lassen, nach dem „Tank-Tourismus“ nun auch einen auf Kosten der österreichischen Steuerzahler bezogenen „Gratis-Corona-Test-Tourismus“ praktizieren, das muss nachgeprüft werden. Fakt ist, wie man aus Gesprächen mit Bewohnern der bayrischen Grenzgemeinde Kiefersfelden feststellen kann, dass man für einen Gratis-PCR-Test nach Rosenheim fahren muss.

Eine PCR-Testung in Bayern kostet 58 Euro
Ansonsten kann man, wenn man zum Beispiel in Kiefersfelden oder Oberaudorf wohnhaft ist, dies nur bei einem niedergelassenen Arzt erledigen und dieser verlangt, wenn man nicht mit Corona infiziert ist, die stolze Summe von 58 Euro.

Keine Handhabe gegen „Gratis Test-Tourismus“
Laut dem Bezirkshauptmann von Kufstein, Christoph Platzgummer, ist es ein Fakt, dass viele deutsche Staatsangehörige diese grenznahe Möglichkeit nutzen, um einen Gratistest zu erhalten. „Aber viele Deutsche haben bei uns einen Zweit- oder Freizeitwohnsitz, sind Urlauber, oder arbeiten in Österreich. Egal, um welchen Fall es geht, rechtlich steht dem nichts entgehen“, beurteilt Platzgummer die Lage.

Gratistest mit Urlaubsadresse
Seit seiner Geburt lebt der Vorsitzende der ÖGK-Tirol, Werner Salzburger, in Kufstein. Auch ihm ist dieser Umstand rund um das Testen bekannt: „Die Screeningstraße wird vom Roten Kreuz betrieben, das Rote Kreuz ist aber keine Exekutive, welche die Möglichkeit hat, Angaben zu überprüfen. Somit gibt man dann zum Beispiel eine Urlaubsadresse an und erhält schon seinen kostenlosen PCR-Test.“

Hajo Gruber, der Bürgermeister von Kiefersfelden, hat einige Freunde und Bekannte, welche in Tirol leben und sich deshalb auch in Tirol testen lassen und die davon schwärmen, wie perfekt das vom Roten Kreuz organisiert ist.

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Die Anmeldung erfolgt online und dazu muss man eine österreichische Adresse haben. Jeder muss sich bei uns vor Ort ausweisen, aber in der EU hat der Reisepass nichts mit dem Wohnort zu tun.

Stephan Vitéz, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Kufstein

Falsche Angaben zum Test sind leicht möglich
Stephan Vitéz, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Kufstein zum Prozedere rund um die Testung: „Die Anmeldung erfolgt Online und dazu muss man eine österreichische Adresse haben. Ob hier ein Missbrauch geschieht, das kann von uns nicht überprüft werden. Jeder, der getestet wird, muss sich aber bei uns vor Ort ausweisen. Aber in der EU hat der Reisepass ja im Grunde genommen nichts mit dem Wohnort zu tun.“

Fazit: Ein weiteres „Corona-Zuckerl“, welches hier sichtlich auf Kosten der Allgemeinheit tagtäglich praktiziert wird und das – so wie es sich darstellt – auch rechtlich legitim ist.

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