24.12.2021 11:30 |

Sturms Andi Schicker:

Auf der Alm tankt der Waldbauernbub Kraft

Die „Steirerkrone“ besuchte Andreas Schicker in seiner urigen Hütte über Oberaich. Für Sturms Sportchef ist es der ideale Ruheort in stressigen Zeiten. Seit Kindheitstagen liebt der 35-Jährige die Natur und die Tiere.

Man fühlt sich unweigerlich an Peter Roseggers Waldheimat erinnert, wenn man Andreas Schicker in seinem Paradies besucht. Eine urige Almhütte, versteckt hinter mächtigen Bäumen, duckt sich an den Hang. Aber selbst heroben auf der Aichberghöhe bei Oberaich sind weiße Weihnachten mittlerweile ein frommer Wunsch. Die Sonne hat den meisten Schnee längst gefressen...

Frisch ist’s dennoch, also schnell rein in die warme Stube, wo Schickers Papa schon vorsorglich eingeheizt hat. Hier hat Sturms Sportchef seine Wurzeln, weiter oben sieht man den Bergbauernhof seiner Familie. „Dort bin ich aufgewachsen, es war eine tolle Kindheit, keine Sekunde würde ich herschenken. Diese Freiheit, die wir gehabt haben. Nur das Kicken war halt mitunter schon mühsam, der Ball ist doch oft die Leiten runtergekullert“, lacht Schicker, der schon während seiner Volksschulzeit seine Wadeln stählte.

Wenn die Schule oder das Training im örtlichen Fußballklub rief, dann ging’s per pedes den Hang hinunter in den Ort. Vier steile Kilometer, der „Waldbauernbub“ lässt grüßen...

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Unglaublich, welche Lebensgeschichte Andi gehabt hat. Aber der Andi ist immer der Andi, er denkt immer positiv.

Sturm-Präsident Christian Jauk

Wenn der ehemalige Bundesligaprofi in seinem stressigen Job ein paar Stunden rausschinden kann, ist er oft in seiner alten Heimat anzufinden. „Meine Freundin arbeitet in der Nähe als Lehrerin. Manchmal fahr ich mit ihr in aller Herrgottsfrühe von Graz mit, um hier Energie zu tanken. Das brauch ich einfach, sonst werde ich unrund. Ich kümmere mich dann um den Fischteich, mäh den Rasen oder mach Holzarbeiten. Früher haben wir auch noch Hühner gehabt, aber die hat der Fuchs geholt.“

Letzterer sagt sich hier mit dem Hasen gute Nacht. „Diese Stille, man hört nix. Ideal zum Runterkommen“, schwärmt Andi. Hier oben relativieren sich Siege und Niederlagen im Fußballgeschäft. In dem es vor Wichtigtuern nur so wimmelt. Schicker gehört definitiv nicht dazu. „Ich bin nicht der Typ, der abhebt. Mich zeichnet schon eine gewisse Bodenständigkeit aus. Ich bin immer authentisch.“

Seit seinem Böller-Unfall 2014 weiß der 35-Jährige, was wirklich zählt im Leben. Während andere seiner Zunft nach Pleiten mit hochrotem Kopf durch die Stadiongänge stiefeln, ruht Schicker auch nach sportlichen Tiefschlägen in seiner inneren Mitte. „Die Reha-Zeit nach dem Unfall war sicher prägend für mich. Da hab ich gelernt, dass man Geduld haben muss. Der Fußball ist so schnelllebig und emotional, da ist’s meistens besser, noch eine Nacht drüber zu schlafen, bevor man in der ersten Emotion was sagt. Außerdem ist’s wichtig, dass es im Klub einen Ruhepol gibt.“

Der Zufluchtsort dient Schicker aber nicht nur für seinen Seelenfrieden, sondern auch zu klandestinen Treffen, die der fußballinteressierten Öffentlichkeit verborgen bleiben sollen. So hat der Sportchef auf seiner Almhütte einst mit Trainer Christian Ilzer das erste Kennenlerngespräch geführt. Und auch so mancher Spielertransfer wurde schon auf der Schicker-Hütte eingefädelt. Nicht ohne Grund lädt der bauernschlaue Sportchef Objekte der Begierde ins idyllische Ambiente. „Da herrscht eine ganz andere Atmosphäre, ist einfach alles lockerer.“

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Ich bin nicht der Typ, der abhebt. Mich zeichnet schon eine gewisse Bodenständigkeit aus. Ich bin immer authentisch.

Sturm-Sportchef Andreas Schicker

Die Andi auch genießt, wenn er sich mit seiner Runde trifft. Neben einem kleinen Weinkeller haben die Schickers in der Abgeschiedenheit auch eine Sauna in den Hang gebaut. „Lauter Freunde aus Jugendtagen, wir haben immer eine Hetz.“

Die Location ist freilich auch prädestiniert für so manche Silvesterfeier. „Weihnachten feiere ich heuer mit der Familie meiner Freundin in Ried, aber zum Jahreswechsel sind wir auf unserer Hütt’n“, sagt die Frohnatur beim Abschied unseres Besuchs. „Und pass beim Runterfahren auf. Nicht, dass ich noch den Traktor starten muss...“

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