26.11.2021 07:00 |

Verstaubte Methoden

Salzburg bekämpft das Virus mit dem Faxgerät

Jeder Covid-Verdachtsfall ist meldepflichtig. Das digitale Meldesystem ist oft überlastet - dann müssen Salzburgs Ärzte zum Fax greifen. Das Land stellt das jedoch in Abrede.

Nach fast zwei Jahren Pandemie müssen die niedergelassenen Ärzte bei der Einmeldung von Covid-Verdachtsfällen noch immer zu recht verstaubten Methoden greifen: dem Faxgerät. Die in die Jahre gekommene Technik gehörte offenbar bis vor ein paar Monaten für die Salzburger Ärzte zum Alltag: So mussten die Ordinationen die Daten von jedem Patienten mit einem positiven Covid-Antigentest analog an die Gesundheitsbehörde faxen. Mehrere Mediziner erzählten im „Krone“-Gespräch von einem immensen bürokratischen Aufwand.

Als die Praxen schließlich auf ein digitales Einmeldesystem umgestellt wurden, war die Erleichterung vielerorts groß. Die Euphorie schrumpfte allerdings schnell, als sich die Komplikationen mit dem digitalen Programm häuften. Wartungsarbeiten, technische Probleme und die prinzipielle Überlastung des Epidemiologischen Meldesystems (EMS) führen dazu, dass die praktischen Mediziner auch heute noch zum Faxgerät greifen oder den Gang zum Briefkasten antreten müssen.

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Nur PCR-Tests und gesicherte Fälle dürfen über das EMS gemeldet werden. Der Rest muss per Fax gesendet werden, weil sonst das System überlastet wäre.

Ein Arzt in Salzburg

Faxen ist in manchen Regionen noch die Regel
In manchen Regionen muss das medizinische Personal sogar noch standardmäßig Patientendaten faxen: „Nur PCR-Tests und gesicherte Fälle dürfen über das EMS gemeldet werden. Der Rest muss per Fax gesendet werden, weil sonst das System überlastet wäre“, erzählt ein Salzburger Praktiker.

Die Arbeitsschritte wirken dabei abstrus: Zuerst muss ein digitales Formular auf dem Computer ausgefüllt werden. Das wird dann ausgedruckt und analog an die Behörde gefaxt.

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Faxen muss in Salzburg niemand mehr.

Ein Sprecher des Landes

Davon, dass diese veralteten Übermittlungsmethoden in Salzburg nach fast zwei Jahren Pandemie noch auf der Tagesordnung stehen, will das Land nichts wissen. So sei das Faxen von Daten an die Gesundheitsbehörde nur für die Arztpraxen gedacht, die über keinerlei Internetzugang verfügen, hieß es vom Land. „Faxen muss in Salzburg niemand mehr. Sobald die Ordinationen einen E-Mail-Zugang haben, kann die Meldung der Verdachtsfälle auch per E-Mail abgewickelt werden“, sagte ein Sprecher des Landes.

Die Aussage der Praktiker ist hier aber gegensätzlich: Mehrere Salzburger Ärzte erzählten der „Krone“, dass der Versand der Formulare per E-Mail seitens der Behörde nicht gestattet ist – wegen datenschutzrechtlicher Probleme.

Von
Marie Schulz
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