20.11.2021 14:00 |

Mittel gegen Krätze

Wurmmittel im Einsatz in der Obdachlosenszene

Eine Frau mit einer Überdosis auf der Intensivstation war das jüngste Opfer des „Wurmmittels“ Ivermectin. Der Wirkstoff, der von FPÖ-Chef Herbert Kickl angepriesen wurde, hat jedoch einen ganz anderen Einsatzbereich: Das Rote Kreuz Tirol verwendet es schon lange in der Obdachlosenszene im Kampf gegen die Krätze.

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„Es ist unglaublich, wie jemand so etwas behaupten kann“, zeigt sich Thomas Fluckinger, chefärztlicher Leiter der Roten Kreuzes Tirol, angesprochen auf die Empfehlung des blauen Parteichefs erzürnt. Dabei gehe es nicht nur um die richtige Dosierung, sondern auch darum, das Medikament zu besorgen. Die letzte Ladung an Pillen gab es für das Rote Kreuz aus der Charge der Klinikapotheke, wie Fluckinger erzählt: „Es hat ja aus bekannten Gründen sonst keine mehr gegeben. Eine Packung mit vier Tabletten kostet, je nachdem, wo man sie erhält, zwischen 35 und 50 Euro.“

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Es poppen immer wieder einzelne Herde auf, vor allem in Einrichtungen, wo mehrere Leute zusammenkommen.

Thomas Fluckinger, chefärztlicher Leiter Rotes Kreuz Tirol

Einsatz bei Obdachlosen
Benötigt wird das Medikament in der Obdachlosenszene, genauer gesagt, im Kampf gegen die Krätze. „Es poppen immer wieder einzelne Herde auf, vor allem in Einrichtungen, wo mehrere Leute zusammenkommen.“ Pro Woche werden in Innsbruck gut zwei Chargen benötigt. Ärzte statten den Einrichtungen regelmäßig Besuche ab.

Die Krätze sei zwar ansteckend, jedoch nur, wenn man in sehr nahem Kontakt zur betroffenen Person steht oder die Kleidung mit dieser teile. „In der letzten Zeit hatten wir eine Therapie bei den Tiroler Sozialen Diensten laufen, damit wir Herr der Lage werden“, sagt Fluckinger.

Richtige Dosierung wichtig
Die Behandlung sei nicht schwierig, muss jedoch konsequent durchgezogen und genau dosiert werden: „Für einen Mann mit 70 Kilo braucht man fünf Tabletten. Nach der ersten Dosis bekommen Patienten nach zwei Wochen eine zweite.“

Auch die Umgebung wird behandelt. Ärzte kontrollieren, ob die Pillen eingenommen wurden. Nur sehr selten käme es vor, dass diese ausgespuckt werden oder Missbrauch betrieben wird.

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