Chancen mit der Lehre

Der Fachkräftemangel beginnt schon im Kindergarten

Bis 2030 gehen der heimischen Industrie alleine durch Pensionierungen 300.000 Facharbeitskräfte verloren. Derzeit bilden 200 Lehrbetriebe in Niederösterreich 2600 junge Menschen aus. Die Industriellenvereinigung warnt: In einem Drittel der Betriebe gibt es bereits einen Mangel, vergangenes Jahr waren 20 Prozent betroffen.

Was als Präsentation der neuen Herbstkampagne gedacht war, entwickelte sich rasch zur Debatte über das heimische Bildungssystem. Denn nach neun Schuljahren scheitern zwei Drittel der Bewerber am Qualifikationstest. „Wir prüfen kein Fachwissen ab. Es geht mehr um logisches Denken, simple Rechenaufgaben und sinnerfassendes Lesen“, sagt der Industriespartenobmann der NÖ-Wirtschaftskammer Helmut Schwarzl. Das sei aber kein Fehler der Lehrer, diese bräuchten viel mehr Unterstützung, vor allem im administrativen Bereich. „Damit sich die Pädagogen wieder auf das Wesentliche konzentrieren können“, so Schwarzl. Fehlende Förderung daheim sei ein weiteres Problem, woran aber nicht die Eltern schuld seien: „Auf lange Sicht führt kein Weg an der Ganztagsschule vorbei.“ Viele Familien hätten schwer mit fehlender Kinderbetreuung zu kämpfen.

Bessere Kinderbetreuung, mehr Chancen für Frauen
Niederösterreich verfehle die anvisierte 33-Prozent-Quote bei der Betreuung von unter 2,5-Jährigen klar. Das erschwert vor allem Müttern den Berufseinstieg. „Damit gehen uns Arbeitskräfte verloren“, so Schwarzl. Dabei würde die Industrie gerade Frauen Chancen bieten – hier gibt es keine Gehaltsschere. Generell will man mehr Mädchen die Lehre schmackhaft machen: „Wir haben derzeit nur 17 Prozent weibliche Lehrlinge.“

Die Industriellenvereinigung will möglichst früh um Fachkräfte werben, wie Präsident Thomas Salzer betont: „Am besten schon im Kindergartenalter und in der Volksschule. Leider hängt das immer vom Einzelengagement der Pädagogen ab.“

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Der Lebensverdienst bei Lehrberufen deckt sich teilweise mit dem von Akademikern. Und Corona hat gezeigt, Industrie ist krisensicher.

Thomas Salzer, NÖ Industriellenvereinigung

Man wolle auch mit dem Irrglauben aufräumen, dass man ohne Matura keine Karriere machen könnte. Im Gegenteil, so Salzer: „Die Ausbildung ist top, die Betriebe sind froh über jeden Mitarbeiter, der sich weiterbilden will.“ Auch Studienabgänger sind als Fachkräfte gefragt, ebenso wie HTL-Absolventen. „Leider gibt es Regionen, etwa das Waldviertel, in denen es keine für die Industrie relevanten Zweige gibt“, sagt Salzer.

Übrigens wurde auch die Herbstkampagne präsentiert. Weil coronabedingt derzeit keine Tage der offenen Tür möglich sind, wird im Internet informiert.

Infos unter www.in-macht-sinn.at

Thomas Lauber
Thomas Lauber
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