„Ich habe schon Fehler gemacht, ich habe Leute von Linz nach Passau gefahren, das gebe ich zu“, erzählt der Angeklagte Richter Philipp Grosser beim Prozess am Freitag im Landesgericht Salzburg. „Fünf oder sechs Fahrten“ gesteht der 33-Jährige ein – angeklagt ist er aber wegen elf Schlepper-Fahrten. Jeweils zumindest drei Flüchtlinge hat er laut dem Staatsanwalt nach Deutschland gebracht – genauer: von Linz nach Passau. Weil der 33-Jährige in der Landeshauptstadt als Friseur tätig war – bis zu seiner Festnahme Anfang Dezember 2019. Ein anderer Schlepper – sein Kontaktmann – habe die Leute von Graz nach Linz gebracht.
Angeklagter kassierte 3000 Euro für fünf Fahrten
Und genau dieser Schlepper, der Mitte Mai dreieinhalb Jahre Haft ausfasste, habe ihn belastet - als mutmaßlichen Auftraggeber: „Ich habe nie einen Auftrag erteilt“, stellte der Iraker klar. Grosser verwies aber auf üppige Kommunikation mit dem Komplizen - ein Indiz für eine Art kriminelle Organisation? Der Iraker verneint: „Von den 200-300 Anrufen, die sie hier haben, habe ich bei einem Großteil nachgefragt, wo mein Geld bleibt.“ Tatsächlich hat er 3000 Euro für die fünf Fahrten bekommen. Doch warum habe er es überhaupt gemacht, obwohl er in Deutschland bereits verurteilt wurde? „Ich war naiv. Wegen der kurzen Strecke dachte ich mir, dass es nicht so schwer bestraft wird.“ Dass es sich um illegale Migranten handelte, das war ihm bewusst. Er war selbst Flüchtling, 2015 haben ihn Schlepper „von Ort zu Ort“ bis nach Österreich gebracht - 15.000 Euro hat er damals gezahlt.
Grosser spricht den Iraker schuldig und verkündet ein Jahr unbedingte Haft zu den in Deutschland verhängten eineinhalb Jahren. Da der Iraker den Großteil abgesessen hat, durfte er noch am Freitag heim.
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