10.10.2021 11:15 |

Neos üben Kritik

Karenz: Lehrer nützen Gesetz für mehr Einkommen

In den Ferien darf die Karenz rechtlich ausgesetzt und das volle Gehalt bezogen werden. Der Partner ist dann offiziell für die Kinderbetreuung zuständig und bezieht dafür eine entsprechende Förderung. Ein Modell, das in Tirol von einigen Lehrpersonen angewendet wird, wie die Bildungsdirektion Tirol informiert. Massive Kritik an dieser Möglichkeit üben hingegen die Tiroler NEOS.

Die Gesetzeslage erlaubt eine Teilung der Karenz zwischen den beiden Elternteilen, wobei die Mindestdauer für einen Teil seit 2009 gesetzlich mit zwei Monaten festgelegt ist. Diese Möglichkeit ist im Mutterschutz- sowie Väterkarenzgesetz vorgesehen. Im Schulbereich ergibt sich hierbei folgende Situation: Lehrpersonen können ihre Karenz im Juli sowie August unterbrechen, sie „arbeiten“ somit und beziehen dabei sogar das volle Gehalt. Ihr Partner ist während dieser Zeit offiziell zu Hause für den Nachwuchs zuständig, er bezieht daher auch das Kinderbetreuungsgeld.

Modell gewinnt an Beliebtheit
Eine Anfrage der NEOS auf Bundesebene im Jahr 2019 gab Aufschluss darüber, wie oft derartige Unterbrechungen der Karenz während der Hauptferien erfolgten. Diese zeigte, dass dieses Modell an Beliebtheit stetig gewinnt. 2014 waren es österreichweit 53 Bundeslehrpersonen, die ihre Karenz für Juli und August unterbrachen. Seither ist diese Zahl konstant angestiegen und hat sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt: So waren es 2015 noch 75 Pädagogen, 2016 dann 97, 2017 bereits 123 und 2018 insgesamt 131 Lehrpersonen im Bundesdienst.

Unterschied zwischen Bundes- und Landeslehrer
Wie sehen die Zahlen für Tirol aus? Prinzipiell sei laut Martin Fritz von der Stabsstelle Kommunikation des Büros des Bildungsdirektors in Tirol zwischen Landeslehrpersonen an Pflichtschulen sowie Bundeslehrpersonen an Bundesschulen zu unterscheiden. „Bei den Landeslehrpersonen an Pflichtschulen ist der Anteil jener, die ihre Karenz während der Hauptferien unterbrochen haben, sehr gering. Zwischen dem Schuljahr 2018/19 und 2020/21 haben je rund 15 Personen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Das entspricht weniger als fünf Prozent aller Landeslehrpersonen in Elternkarenz“, erklärt Fritz.

Bei den Bundeslehrpersonen in den Tiroler Bundesschulen haben während der Sommerferien 2021 insgesamt 17 Lehrpersonen ihre Elternkarenz unterbrochen, im Sommer 2020 waren es 16 und im Sommer 2019 waren es 15 Personen. „Dabei handelt es sich um etwa 10 Prozent“, sagt Fritz. Die vollständigen Zahlen sind in der Grafik nachzulesen (oben).

„Dienstgeber kann Recht nicht entgegentreten“
Der Sprecher der Bildungsdirektion Tirol weist im Zuge dessen darauf hin: „Wenn die Elternteile eine Teilung der Karenz in der Weise festlegen, dass die Lehrperson die Karenz für zwei Monate im Zuge der Hauptferien unterbricht, kann der Dienstgeber diesem gesetzlich eingeräumten Recht nicht entgegentreten.“

„Ist nicht nachvollziehbar“
Massive Kritik an dieser Möglichkeit üben die Tiroler NEOS. „Niemand außer einer Lehrkraft hat die Möglichkeit, bei voller Bezahlung gemeinsam mit dem anderen Elternteil die Kinderbetreuung zu übernehmen. Regelungen wie diese sind unter anderem Gründe dafür, dass der Berufsstand der Lehrerinnen und Lehrer immer wieder in Verruf gerät“, findet NEOS-Klubchef Dominik Oberhofer klare Worte.

Es sei für Eltern aus anderen Berufsgruppen schlicht und ergreifend nicht nachvollziehbar, warum Lehrerinnen und Lehrer ganze zwei Monate bei vollen Bezügen ihre Karenz einfach so unterbrechen können.

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Im Sinne des Ansehens der Lehrerinnen und Lehrer wäre es wohl durchaus sinnvoll, dieses Karenzzuckerl zukünftig nicht mehr zu verschenken.

Dominik Oberhofer

Der Politiker fordert aus diesem Grund einen Rahmen-Kollektivvertrag statt des Lehrerdienstrechtes sowie eine Anhebung der Mindest-Karenzzeiten im Bund. „Im Sinne des Ansehens der Lehrerinnen und Lehrer wäre es wohl durchaus sinnvoll, dieses Karenzzuckerl zukünftig nicht mehr zu verschenken“, verdeutlicht er.

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