30.09.2021 18:00 |

„Anderswo“-Festival

Kameramann Aberer holt die Welt nach Graz

Matthias Aberer ist als Kameramann auf der ganzen Welt unterwegs. Der Steirer hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Am Freitag, 1. Oktober, startet sein „Anderswo“-Festival mit Reinhold Messner in den Grazer Kammersälen.

Gegend soweit das Auge reicht, es gibt keine Zivilisation, selbst Vögel meiden das Gebiet. „Hier habe ich verstanden, was Natur ist. Du lernst, dass alles, was du mitgebracht hast, Grund ist, warum du überlebst. Die Natur ist der Feind. Gletscherspalten, keine Nahrung, Hitze am Tag und Kälte in der Nacht. Wenn es dunkel ist, hast du im Daunenschlafsack zu sein.“ Matthias Aberer beginnt das Gespräch mit der „Krone“ mit einer Erzählung von einer seiner Expeditionen in Pakistan. Sechs Wochen legte er mit einer Gruppe 180 Kilometer in einem unberührten Gletschergebiet zurück. Ausgestattet mit Ziehschlitten, die Skier an den Füßen, gelangen Erstbesteigungen von zwei Sechstausendern.

Genau solche Geschichten bringen der gebürtige Grazer und sein Kollege Philipp Schaudy seit 2019 in die Landeshauptstadt. „Nicht nur schöne Bilder, sondern Leute, die erzählen, was nicht jeder erlebt hat“, beschreibt er das Konzept von „Anderswo“. Für Aberer war es schon als Kind „normal“, Gipfel zu erklimmen, vielleicht auch weil sein Vater Vorarlberger ist.

Aberer hatte „normalen“ Weg geplant
Für den mittlerweile 38-Jährigen war es damals ebenso „normal“, einen geradlinigen Weg zu bestreiten: Volksschule, Mittelschule, Studium, Job und Pension. Bis zum Studium der Soziologie in Graz nahm sein Weg auch diesen Verlauf. Die gemeinsame Leidenschaft zum Bergsteigen, Klettern und später auch Paragleiten mit seinen Studienfreunden führten ihn aber vermehrt in die Bergwelt der Alpen. Nach den vielen Reisen auf der ganzen Welt schätzt er das Heimatgebirge umso mehr: „Man muss auf der Welt nicht weit fahren, um die schönsten Plätze zu sehen.“

Naturfilmer und Festival-Veranstalter
Aus dem Monats-Job beim Bergfilm-Festival nach seinem Studium wurden dann schnell zehn Jahre: „Ich dachte, dass es irgendwann langweilig wird und ich am Bürosessel lande. Dem war aber nicht so. Mittlerweile bin ich Naturfilmer und gleichzeitig Festival-Veranstalter.“

Als Kamera-Assistent ist er für andere aber auch eigene Produktionen in Afrika, Jordanien oder auch im Oman unterwegs. Schwierige Höhenbedingungen musste er genauso meistern wie Aufenthalte auf Polizeistationen. „Flexibel bleiben“, lautet seine Devise – beim Reisen, wie auch im Leben: „Die schönsten Abenteuer sind eigentlich die, auf die man am schlechtesten vorbereitet ist. Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden, weil ich darin anpasse, was nicht funktioniert.“

Die größte Sorge des zweifachen Familienvaters, seinen Beruf und die Familie nicht miteinander zu vereinbaren, bestätigte sich nicht: „In den Zeiten, wo ich da bin, kann ich viel mit den Kindern unternehmen. Letzte Woche waren wir Nachtwandern am Schöckl. Das sind Momente, an die sie sich auch später mal erinnern werden.“

Reisefestival als Inspiration
Für den Grazer bietet das Reisefestival Gelegenheit, übers Reisen nachzudenken, Leute zu animieren, in Gegenden länger zu verweilen, Kulturen kennenzulernen. Oder einfach nur von den Geschichten inspiriert zu werden – und sich selbst zu überlegen, welche Erfahrung man im Leben einmal machen möchte.

Zum Auftakt berichtet heute (ab 17 Uhr) Reinhold Messner über seinen Schicksalsberg Nanga Parbat, wo sein Bruder einst das Leben verlor. Neben dem Leit-Thema „Alpin“ soll das Anderswo-Festival ein allumfassendes Erlebnis für Gleichgesinnte im Kammersaal Graz werden.

Christina Koppelhuber
Christina Koppelhuber
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