15.09.2021 13:00 |

Auch in Tirol

Auf die Corona-Krise folgt jetzt eine Liefer-Krise

Wer ein Auto kaufen möchte, hat es bemerkt: Zum Teil braucht es Monate Geduld dafür. Der Grund sind Lieferengpässe bei Herstellern. Die „Tiroler Krone“ hat bei drei Autohäusern nachgefragt, wie die derzeitige Situation ist.

„Wenn der Kunde individuell bestellt, dann muss er mit einer Lieferzeit zwischen vier Monaten und einem Jahr rechnen“, rechnet Erwin Cassar, Geschäftsführer von Porsche Innsbruck, vor. Freilich hänge es von Marke und Modell ab. „Die längste Lieferzeit haben wir bei den Hightech-Modellen.“ Am besten lieferbar seien Elektro-Autos. Der Grund dafür: „Die Vorausplanung wurde in diesem Bereich auch während der Pandemie umgesetzt. Vor allem bei Volkswagen.“ Eine bessere Lieferzeit gebe es zudem bei Klein- und Kompaktautos.

Ähnliche Verzögerungen gibt es auch bei Unterberger Denzel. Dort spricht der geschäftsführende Gesellschafter Dieter Unterberger von „drei Monaten bis zu einem Jahr“. Wobei auch er einschränkt, dass es von der Ausstattung des Fahrzeuges abhänge und ergänzt, „dass wir mit jedem Kunden einzeln nach einer Lösung suchen“. Wer mehr Extras möchte, muss mit einer längeren Wartezeit rechnen.

Normalisierung wohl erst im Jahr 2023
Nicht besser die Lage beim Autopark: „Je nach Modell beträgt die Lieferzeit zwischen 20 und 40 Wochen“, sagt Geschäftsführer Michael Mayr, wobei „wir die längeren Lieferzeiten bereits seit Monaten kommunizieren und unsere Kunden somit sehr gut informiert sind. Die bereits bestellten Autos werden priorisiert“. Der Grund für die Verzögerung liegt bei den Halbleiterchips. Deren Hersteller warteten zu Pandemiebeginn ab, da unklar war, mit welchem Umsatzvolumen es weitergeht. Wie Cassar erklärt, „hat diese Branche dann vermehrt die Unterhaltungsindustrie beliefert, die wegen Quarantäne und Homeoffice boomte“.

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Je nach Modell beträgt die Lieferzeit zwischen 20 und 40 Wochen.

Michael Mayr

Was für Kunden derzeit besonders ärgerlich ist: Die Hersteller und folglich freilich auch die Verkäufer können keine exakten Liefertermine nennen. Cassar sieht sich mit rund 1000 Kunden konfrontiert, die darauf warten, endlich den Schlüssel in das Zündschloss zu stecken. Unterberger und Mayr tun sich indes schwer, konkrete Zahlen zu nennen. Unisono vermuten alle drei Geschäftstreibende, dass eine Normalisierung der Situation aus jetziger Sicht erst Ende 2022 bzw. mit Beginn des Jahres 2023 eintreten wird.

Engpässe führen zum Teil zu höheren Preisen
Ein Trost, den Cassar und Mayr hervorheben: „Die Lieferverzögerungen haben bei uns derzeit noch keinen spürbaren Einfluss auf den Preis.“ Einen Anstieg bei den Kosten hat jedoch Mayr beobachtet: „Die Hersteller bauen vorzugsweise hohe Ausstattungslinien, wo die Profitabilität besser ist. Zudem werden laufend Preisanpassungen gemacht.“ Der Geschäftsführer verweist aber darauf, dass „wir unseren Kunden den derzeitigen Preis garantieren, auch wenn die Lieferung erst 2022 erfolgt“.

Drängendste Forderung an Politik betrifft NoVa
Und welche Forderungen haben die Unternehmer, die sich nach der übertauchten Corona-Krise nun mit der Liefer-Krise konfrontiert sehen, an die Politiker? Hier schießen sich Michael Mayr und Erwin Cassar vor allem auf die NoVa (die Normverbrauchsabgabe) ein. „Die aktuellen Steuerbelastungen durch Mehrwertsteuer und der NoVa nun auch bei Nutzfahrzeugen haben den Grenzwert der Belastbarkeit und Leistbarkeit schon überschritten“, kritisiert Mayr. Cassar wiederum fordert, dass „man die Fristen beim NoVa-Übergang verlängert – für all jene, die schon vor Inkrafttreten der neuen Regelung ein Fahrzeug bestellt haben“.

Ob die verantwortlichen Politiker auf diese Forderungen reagieren werden, bleibt nun abzuwarten.

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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