05.09.2021 14:00 |

Sennerin erzählt

„Mein herrlicher Sommer auf der Tuchmoar-Alm“

Die Steirerin Viktoria Brandner ist berühmt für ihren Ennstaler Steirerkas, verköstigt Wanderer - und verbringt mit ihrer Familie einen Sommer wie zu Peter Roseggers Zeiten.

„Igendwann bleib i dann durt.“ - Diese hinlänglich bekannte STS-Textzeile ist ja Griechenland gewidmet. Doch schießt sie einem sofort in den Kopf, wenn man die Tuchmoaralm in der Kleinsölk betritt. Und unweigerlich dem Zauber der Gegend erliegt. Da hört man nichts, außer zwischendurch den Schrei eines Raubvogels oder das Läuten einer Kuhglocke.

Da zischt das Wasser den Fall hinab, das Zusehen entspannt die Augen, das Rauschen lässt einen Ruhe finden. Der Nebel fällt herein, legt einen mystischen Filter über die ganze Szenerie, die uns bei einem Heimatfilm kitschig vorkäme, hier aber echt ist. Vom Berg grüßt der erste Schnee. Unwirklich. Unbeschreiblich.

„Schön hier bei uns, oder?“, schmunzelt Viktoria Brandner über die Besucher, die sich gar nicht satt sehen können an dieser Kulisse. „Aber wenn es einmal regnet, tagelang, wochenlang, da ist es bald vorbei mit der Alm-Romantik.“ Sagt sie und lacht - ob es regnet oder schneit, nie würde sie die Sommer mit einem im Tal tauschen mögen.

Seit zwölf Jahren schon verbringt Viktoria Brandner mit ihrem Mann und den Kindern die warme Jahreszeit auf der Tuchmoaralm. Daheim, wo sie sonst mit ihren schönen Graukühen leben, ist zugesperrt. Mit Kind, Kegel, den Pferden, sogar den beiden Schweinen wird auf die Alm übersiedelt. Früher mit allen vier Kindern; heute sind sie groß, nur noch Maria ist mit. 15 ist sie. Und trotz aller Verlockungen, die der Jugend so geboten werden, vom Kino bis zum Fast-Food-Lokal - auch Maria will mit. Nichts lockt sie so wie die Alm.

Zumindest Strom gibt es heroben
Wo man fast noch so lebt wie zu Peter Roseggers Zeiten. „Heutzutage haben wir zumindest schon Strom“, lacht das fröhliche Ehepaar. „Früher ist jeder abends mit seiner Kerze gesessen, damit wir beim Uno-Spielen die Farben erkennen können.“ Auch das Internet geht jetzt; eingesetzt wird es nur selten, es geht einfach keinem ab.

„Was man hier am meisten erlebt und spürt, ist, mit wie wenig man eigentlich auskommt. Wie wenig man braucht um glücklich zu sein“, sagen Viktoria und Karl Brandner. „Und dass einen das enge Zusammensein auch als Familie ganz eng zusammenschweißt.“

Gefrühstückt wird erst nach der ersten Arbeit
Wobei hier auch ein Knochenjob wartet; gefrühstückt wird erst, wenn die (erste) Arbeit getan ist. Karl treibt die Kühe von der Weide in den Stall, während Viktoria aus dem frischen „weißen Gold“ ihren berühmten Ennstaler Steirerkas macht. Der schmeckt auf jeder Hütte anders - und hier, das behaupten wir nach der würzig-himmlischen Kostprobe, besonderes gut. Und dann kommen auch schon die hungrigen Wanderer, die es zu versorgen gilt.

Die Familie ist, auch wenn es hin und wieder furchtbare Unwetter gibt, immer glücklich auf 1521 Metern, in der winzig kleinen „Köckhütte“. Nur einmal, im Jahr 2010, da war es (lebens-)bedrohlich. Viktoria Brandner fuhr mit den Kindern mit dem Auto auf die Alm, als ein Unwetter sie überraschte, alle Kräfte der Natur mit voller Wucht auf die Familie niedergingen. Kleinste Rinnsale wurden zu reißenden Bächen, Bäume krachten zu Boden, der Himmel tat sich auf.

Mit vier Kindern im Unwetter unterwegs
Viktoria konnte nicht mehr weiter, blieb mit dem Auto auf dem Forstweg hängen, der zum Bach geworden war. Zu Fuß - das Handy hatte keinen Empfang - versuchte sie sich zum nächsten Bauern durchzuschlagen, das kleinste Kind in den Armen, die drei anderen weinend hinterher. Sie kamen nicht weiter, konnten nicht mehr vor, nicht zurück. „Hätt’ uns der Jäger nicht gefunden und uns in sein Haus geholt - ich weiß nicht. . .“ Am nächsten Tag barg sie sogar der Hubschrauber von der Alm!

Heute geht es nach drei Monaten zurück ins Tal. In den Alltag. Nach einem herrlichen Sommer auf der Alm.

Christa Blümel
Christa Blümel
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