Prozess in St. Pölten

Freispruch trotz tödlicher Kokain-Infusion

Niederösterreich
04.08.2021 15:49

Es sollte ein krönender Abschluss werden, ein Fest zu Silvester. Ein Paar hatte das Motto ausgegeben: „Wir sind wichtiger als die Drogen.“ Feierlich wollten beide ein letztes Mal Kokain genießen - intravenös. Die Frau (26) starb an einer Überdosis. Die ungewöhnlichen Umstände ihres Todes waren jetzt Prozessthema.

Auf der Anklagebank sitzt ein früherer Krankenpfleger, angeklagt wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Eine Bekannte, eben das spätere Opfer, hatte ihn gebeten, ihr und ihrem neuen Lebensgefährten Venflons zu setzen, also Venenzugänge, wie sie in Spitälern bei Patienten für Infusionen verwendet werden. Den Grund weiß ihr neuer Freund: „Sie hat beim Stechen keine gesunde Vene mehr gefunden.“

„Wir wollten das feiern“
Dreimal setzte der Krankenpfleger den beiden die Nadeln und instruierte sie, wie diese zu verwenden sind. So auch am 31. Dezember 2020. Der Freund des Opfers als Zeuge im Landesgericht St. Pölten: „Wir haben ausgemacht, dass wir keine Drogen mehr nehmen wollen. Und wir wollten das mit einer Feier begehen.“

Das Landesgericht St. Pölten (Bild: P. Huber)
Das Landesgericht St. Pölten

Zweite Dosis war zu viel
Um 15 Uhr kam der Krankenpfleger, um die Venflons zu setzen, hinterließ auch Kochsalzlösung zum Durchspülen und ging. „Dass jemand dabei sterben könnte, habe ich niemals gedacht“, sagt der Angeklagte. Das Paar blieb alleine zurück, gönnte sich eine erste Dosis Kokain um 18 Uhr und drückte kurz vor dem Jahreswechsel eine zweite durch die Venflons. Auch eine Champagner-Flasche war geöffnet, um den Abschied von den Drogen zu begießen. Kurz danach starb die Frau an Herzversagen.

Eigenverantwortung der Frau überwog
Der Krankenpfleger wurde freigesprochen. Für den Tod der Frau könne er nicht verantwortlich gemacht werden, sagte der Richter und betonte die Eigenverantwortung der Frau.

Peter Grotter
Peter Grotter
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